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Altkanzlerin Merkel grüßt aus einem Auto heraus, als sie sich zur Wahl des neuen Bundeskanzlers Olaf Scholz in den Bundestag begibt. (Archivbild) Quelle: Getty Images

Nach dem Ausscheiden aus dem Kanzleramt: Merkel plant bereits politische Biografie

Nur wenige Tage nach ihrem Ausscheiden aus dem Kanzleramt ist bekannt geworden, dass Angela Merkel (CDU) eine politische Biografie schreiben möchte.

„Die Kanzlerin möchte nicht ihr ganzes Leben nacherzählen“, sagte Merkels langjährige Büroleiterin Beate Baumann dem „Spiegel“. Vielmehr wolle sie „ihre zentralen politischen Entscheidungen in eigenen Worten erklären“, und dabei auch auf ihren Lebensweg zurückgreifen.

Für das Buch wollen die Altkanzlerin und ihre ehemalige Büroleiterin demnach zusammenarbeiten, externe Autoren sollen offenbar nicht dabei unterstützen. „Die Bundeskanzlerin und ich sind ganz sicher: Wenn wir dieses Buch machen sollten, dann machen wir es allein, also ohne Ghostwriter, ohne Historiker, ohne Journalisten.“ Bisher gebe es noch keinen Verlag, verriet Baumann, das Projekt sei aber auf zwei bis drei Jahre angelegt.

Büroleiterin Baumann wurde als harte Machtperson wahrgenommen

Baumann will künftig als politische Beraterin Merkels arbeiten, denn „ich bin aus der Position der Büroleiterin herausgewachsen“, sagte die Frau, die 30 Jahre lang die Angelegenheiten in Merkels Büro anleitete.

Gegenüber dem „Spiegel“ äußerte Baumann Kritik an ihrem Bild in der Öffentlichkeit als harte, unerbittliche Machtperson im Schatten von Merkel. „Ja, es hat mich zum Teil sehr verletzt“, sagte die 58-Jährige. „Vor allem aber habe ich sehr darunter gelitten, dass sich meine Familie, besonders meine damals noch lebenden Eltern, Sorgen gemacht haben, warum so über mich geschrieben wurde.“

Ihre große Schwäche sei „das Aufbrausen“, sagte Baumann. Merkel aber bezeichnete ihre ehemalige Büroleiterin als „machtpolitisches Naturtalent“. Angesichts der langen und erfolgreichen politischen Karriere der Altkanzlerin blickt Baumann zurück: „Ich habe nie gedacht: Das wird etwas Großes.“ Erst nach Merkels Aufstieg zur CDU-Chefin sei ihr klar geworden: „Jetzt geht es um etwas Großes.“

Angela Merkel war 2005 erstmals zur Bundeskanzlerin gewählt worden. Danach regierte sie das Land für 16 Jahre. Unter Altkanzler Helmut Kohl (CDU) war Merkel zunächst von 1991 bis 1994 Bundesministerin für Frauen und Jugend, 1994 wechselte sie für vier Jahre an die Spitze des Umweltministeriums. Von 2000 bis 2018 war Merkel Vorsitzende der CDU.

RND/sic