Donnerstag , 27. Januar 2022
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Insgesamt hat die EU bis Ende vergangenen Jahres 380 Millionen Dosen für Entwicklungsländer zur Verfügung gestellt. Quelle: imago images/Eibner

EU-Kommission fordert mehr Corona-Impfstoffspenden für arme Länder

Berlin. Die EU-Kommission hat Deutschland und die anderen EU-Staaten zu weiteren Corona-Impfstoffspenden für ärmere Länder aufgerufen. Bis Ende Juni sollten insgesamt 700 Millionen Impf-Dosen aus der Europäischen Union an Entwicklungsländer geliefert werden, sagte die EU-Kommissarin für internationale Partnerschaften, Jutta Urpilainen, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). „Was wir jetzt brauchen ist, dass die Mitgliedstaaten mehr Impfstoff-Dosen teilen, um dieses 700-Millionen-Ziel zu erreichen“, sagte die Finnin. „Ich zähle auf Deutschlands Unterstützung.“

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) hatte Ende Dezember angekündigt, dass Deutschland im Jahr 2022 mindestens 75 Millionen Corona-Impfdosen an ärmere Staaten spenden werde. Das für 2021 gesetzte Ziel von 100 Millionen Dosen sei erreicht worden.

Insgesamt hat die EU bis Ende vergangenen Jahres nach Urpilainens Worten 380 Millionen Dosen für Entwicklungsländer zur Verfügung gestellt. Die EU sei weltweit der größte Spender von Covid-19-Impfstoffen, betonte die Kommissarin. „Wir tun eine Menge, aber nicht genug: Das gilt vor allem für Afrika, wo wir mehr erreichen müssen“, mahnte sie.

Vor allem Afrika im Fokus der Kampagne

Weltweit liege der Anteil der vollständig Geimpften bei 50 Prozent der Bevölkerung, in der EU bei 64 Prozent - in Afrika dagegen nur bei neun Prozent. „Wir müssen die gesamte Weltbevölkerung impfen, um die Pandemie zu beenden“, betonte Urpilainen. „Niemand ist sicher, bis alle sicher sind.“

Die EU-Kommissarin kündigte ein zusätzliches Impf-Unterstützungspaket der EU für Afrika an, das noch vor dem EU-Afrika-Gipfel Mitte Februar vorgelegt werden solle. Teil dieses Pakets solle auch der weitere Aufbau einer eigenen Impfstoffproduktion in Afrika sein, die Herstellung der Vakzine solle noch in diesem Jahr im Senegal, in Südafrika, Ruanda und Ghana beginnen. Die EU werde mit einer Milliarde Euro von der Kommission, den Mitgliedstaaten und ihren Finanzinstituten beteiligt sein.

In der Frage einer möglichen Impfpflicht hat Urpilainen die Hoffnung geäußert, im Kampf gegen die Pandemie auch ohne eine solche Pflicht eine hohe Impfquote zu erreichen. „Ich denke und hoffe, dass immer mehr Menschen bereit sind, sich impfen zu lassen, damit es nicht nötig ist, zu einer Pflichtimpfung überzugehen“, sagte sie der Funke Mediengruppe (Samstag).

RND/epd/dpa