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Der Deutsche Lehrerverband wirft der Politik Versäumnisse beim rechtzeitigen Ausbau der Testkapazitäten vor. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Knappe PCR-Testkapazitäten: Lehrerverband wirft Politik schwere Versäumnisse vor

Hannover. Angesichts der aktuell knappen PCR-Testkapazitäten in Deutschland hat der Deutsche Lehrerverband der Politik schwere Versäumnisse vorgeworfen. Trotz vielfacher Warnungen der Lehrer, des Robert Koch-Instituts und von Virologen habe die Politik „uns in keiner Weise auf diese Omikron-Welle vorbereitet“, sagte der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Es war ja absehbar, dass Testkapazitäten knapp werden könnten und dass auch die Labore an Grenzen stoßen werden.“

Weil die engmaschige Teststrategie neben der Maskenpflicht eine von zwei elementaren Säulen im Hygieneschutzkonzept von Schulen darstelle, warnt Meidinger: „Wenn die Effektivität des Testkonzepts wackelt oder massiv leidet, dann wäre das für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz an Schulen ein schwerer Schlag.“ Dabei nennt er auch das seit Kurzem mögliche frühzeitigere Freitesten aus der Isolation und der Quarantäne. Meidinger fordert, damit betroffene Kinder und Lehrkräfte früher in die Schulen zurückkehren können, müssten „PCR-Tests und nicht Antigen-Schnelltests verwendet werden, weil man da einfach mehr Sicherheit braucht“.

Meidinger betont Vorteile von PCR-Tests

PCR-Testungen seien generell „sicherer“ und „in der Regel 48 und nicht nur 24 Stunden gültig“, hebt Meidinger die Vorteile gegenüber Schnelltests hervor. Die vor allem an Grund- und Förderschulen eingesetzten PCR-Lolli- und -Gurgeltests seien zudem für Lehrkräfte „einfacher zu handhaben“, weil die Auswertung durch auswärtige Labore erfolge.

Wegen der aktuell begrenzten Laborkapazitäten dauere es inzwischen aber mehrere Tage, bis PCR-Testergebnisse vorliegen würden, moniert Meidinger. Bei positiven Befunden löse dies bei Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften „jedes Mal eine Phase großer Unsicherheit“ aus, weil die Kinder bis zur Rückmeldung über weitere Fälle in Quarantäne müssten.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat sich derweil für einen pragmatischeren Umgang mit Corona-Isolationen ausgesprochen. Weil jüngere Menschen üblicherweise mildere Corona-Verläufe haben, sollte sich bemüht werden, eine Infektion „mit einem Schnelltest zu diagnostizieren“, sagte er Donnerstag im Deutschlandfunk. Dieser reiche auch für eine Freitestung nach sieben Tagen. Weil mit dem steigenden Infektionsgeschehen die Kapazitäten für PCR-Tests schon jetzt ausgeschöpft seien, müssten ältere Menschen und Beschäftigte im Gesundheitsdienst einen priorisierten Zugriff darauf haben.

Von Jens Strube, Fabian Wenck/RND