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Im ersten Corona-Jahr 2020 ist der gesellschaftliche Wohlstand in Deutschland um 3,5 Prozent zurückgegangen. Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Corona-Jahr 2020: Wohlstandsverlust von 51 Milliarden Euro

Düsseldorf. Im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist der „Nationale Wohlfahrtindex“ (NWI) in Deutschland im Jahr 2020 weniger stark gesunken.

Wie das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte, ging der gesellschaftliche Wohlstand im ersten Corona-Jahr gegenüber 2019 um 3,5 Prozent zurück. Das entsprach einem Wohlstandsverlust von 51 Milliarden Euro - vor allem, weil der Konsum der Privathaushalte stark sank. Das BIP war im selben Zeitraum um 4,6 Prozent gesunken.

Grund für die unterschiedliche Entwicklung ist den Angaben zufolge, dass umweltschädliche Effekte wie die Emissionen von Luftschadstoffen und Treibhausgasen sich 2020 verringert hatten, nachdem Verkehr und Wirtschaftstätigkeit zur Pandemieabwehr reduziert wurden. Indirekt wirkte sich auch die staatliche Stabilisierungspolitik aus, die Einkommensverluste reduzierte, etwa durch Kurzarbeitsgeld und Hilfszahlungen.

Corona sorgt für Ende des Wohlstandshoch

„Die Corona-Pandemie sorgte damit für ein abruptes Ende des seit 2014 andauernden kontinuierlichen Anstiegs im NWI“, erklärten Benjamin Held, Dorothee Rodenhäuser und Hans Diefenbacher vom Institut für Interdisziplinäre Forschung in Heidelberg in der Studie des IMK. Erste Zahlen für 2021 sollen im Herbst dieses Jahres vorliegen.

Das Forscherteam bezieht für den NWI insgesamt 21 Komponenten ein, um ein realistischeres Bild zu erhalten. Dazu zählen unter anderem der private Konsum, die Einkommensverteilung, die Wertschöpfung durch Hausarbeit und ehrenamtliche Tätigkeiten sowie ein Teil der staatlichen Konsumausgaben.

Von der Bilanz abgezogen werden Aufwendungen zur Kompensation von Umweltbelastungen, Ersatzkosten für den Verbrauch nicht-erneuerbarer Energieträger, Schäden durch Luftverschmutzung, Treibhausgase oder Lärmbelästigung sowie Kosten durch Verkehrsunfälle.

Der NWI hat das Ziel, Lücken zu schließen und Widersprüche aufzulösen, die sich bei der klassischen Methode der Wohlstandsmessung allein über das BIP ergeben. So kritisieren viele Fachleute, dass das BIP weder die Verteilung der Einkommen noch Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen angemessen erfasse.

RND/epd