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Boris Johnson steht wegen Partys und Regelverstößen während des Lockdowns in Großbritannien in der Kritik. Quelle: imago images/VXPictures.com

Boris Johnsons Partygate: Das Maß ist voll

London. Hinhalten, Verzögern, Wegreden. So lässt sich die Taktik Boris Johnsons und seiner Unterstützer innerhalb der eigenen Partei in den vergangenen Wochen wohl am besten zusammenfassen. Die Ermittlungen durch die Beamtin Sue Gray sollen Klarheit bringen, hieß es. Sie sollen zeigen, was tatsächlich passiert ist, hieß es. Wenn sie beweisen, dass Boris Johnson gegen Gesetze verstoßen hat, tritt er zurück, hieß es.

Das Problem: In dem Bericht geht es, anders als bei den polizeilichen Ermittlungen von Scotland Yard, die sich noch monatelang hinziehen können, gar nicht darum, mögliche Straftaten nachzuweisen. Er kann nicht darüber entscheiden, ob Johnson schuldig ist oder nicht. Er drückt ihm keinen unmissverständlichen Stempel auf.

Der Skandal ist längst bekannt

Stattdessen sollen in dem Bericht Fakten zusammengetragen werden. Fakten, von denen die meisten Britinnen und Briten längst Kenntnis haben. Dazu gehört zum Beispiel eine Party während des Lockdowns im Mai 2020 im Garten der Downing Street 10, zu der nachweislich rund 100 Gäste eingeladen waren und an der auch Johnson teilgenommen hat. Eine von vielen Feiern, von der der Premier erst keine Kenntnis gehabt haben soll, dann nicht dabei gewesen sein will und dann nicht gewusst haben will, dass so etwas verboten ist.

Der Report ist wichtig, aber eigentlich braucht man ihn nicht mehr, um zu erkennen, dass das Maß des Tolerierbaren längst überschritten ist. Johnson hat sich nicht nur in seinem Regierungssitz immer wieder zu Käse, Wein und mehr getroffen, während sich Britinnen und Briten während der Pandemie wochen- und monatelang in Verzicht geübt haben; er hat auch immer wieder gelogen und die Öffentlichkeit für dumm verkauft.

Gleichzeitig weigert er sich wie ein trotziges Kind dagegen zu gehen und so endlich die Konsequenzen für seine und die Taten seiner Mitarbeiter zu tragen. Deshalb liegt es nun an den Torys, endlich zu handeln. Sie sollten Boris Johnson das Misstrauen aussprechen, sich von ihm befreien. Denn sonst landen seine Unterstützer womöglich gemeinsam mit ihm da, wo eigentlich keiner hin will: im politischen Nirvana.

Von Susanne Ebner/RND