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Auf einem Feld wird mit einem Mähdrescher Roggen gedroschen (Symbolbild). Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp

53 Prozent teurer: Importpreise für Getreide so stark wie zuletzt 2011 gestiegen

Wiesbaden. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine wirkt sich zunehmend auf den globalen Getreidemarkt und auf die Preise aus – auch in Deutschland. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte, stiegen die Einfuhrpreise für Getreide nun so stark wie zuletzt im Jahr 2011. So lag der Preis im März 53,6 Prozent höher als im gleichen Monat vor einem Jahr. Eine höhere Veränderungsrate hatte es zuletzt im Mai 2011 gegeben (+74,0 Prozent gegenüber Mai 2010).

Die Preissteigerungen betreffen demnach alle Getreidearten: Sowohl Weizen, Gerste, Roggen als auch Hafer verteuerten sich im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 65,3 Prozent. Bei Mais stiegen die Preise um 37,4 Prozent. Wie das Statistische Bundesamt allerdings anmerkt, hatte sich importiertes Getreide bereits vor dem Ukraine-Krieg deutlich verteuert. Seit Januar 2021 liegen die monatlichen Preissteigerungen im Vergleich zum gleichen Monat im Vorjahr durchgehend im zweistelligen Bereich. Der Krieg in der Ukraine hat den Anstieg nun verschärft.

Nur wenige Ukraine-Importe nach Deutschland

Vor Beginn des Krieges war die Ukraine einer der weltweit wichtigsten Getreideproduzenten. Viele und vor allem ärmere Länder sind etwa dringend angewiesen auf günstigen Weizen aus dem Land. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sind Seewege und Häfen allerdings blockiert.

Für Deutschland spielen die Importe aus der Ukraine mit einem Anteil von 1,9 Prozent sowie aus Russland mit 0,1 Prozent dagegen eine untergeordnete Rolle. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 11,4 Millionen Tonnen Getreide im Wert von 3,2 Milliarden Euro eingeführt. Zugleich exportierte Deutschland 11,7 Millionen Tonnen im Wert von 2,8 Milliarden Euro. Weizen hatte dabei einen Anteil von 60,7 Prozent.

Özdemir: Putin setzt Hunger als Waffe ein – müssen Blockade brechen

Mit Blick auf den weltweiten Getreidemarkt hat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) Russland nun scharfe Vorwürfe gemacht. Moskau setze Hunger gezielt als Waffe ein, indem der Export von Weizen aus der Ukraine mit Hafenblockaden verhindert werde, so der Grünen-Politiker. Dies gelte innerhalb der Ukraine, aber auch global, sagte Özdemir am Freitag dem Deutschlandfunk vor der Konferenz der G7-Agrarminister in Stuttgart. Die Art der Kriegsführung von Putin sei „besonders perfide“, weil die Ukraine so wichtig sei: Allein die Hälfte des Weizens für das World Food Programme komme aus dem Land. Die Verknappung und die Erhöhung der Preise seien eine bewusste Kriegsstrategie.

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Derzeit sei Odessa der letzte freie Seehafen der Ukraine und „darf nicht fallen“, sagte Özdemir weiter. Man suche mit der EU und den europäischen Partnern nach alternativen Transportwegen für ukrainisches Getreide – auf dem Landweg, auf der Schiene oder über die Donau. All das werde aber den Seeweg nicht vollständig ersetzen können, betonte der Grünen-Politiker. „Seewege müssen frei werden.“ Zudem müsse die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine gestärkt werden, damit die Blockade Russlands aufgehoben werden könne.

In den Häfen der Ukraine seien derzeit wegen des Kriegs 25 Millionen Tonnen Getreide blockiert, insbesondere in Odessa, hatte Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Donnerstag gesagt.

RND/jst/dpa

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