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Eine Besucherin einer Ausstellung probiert eine Datenbrille für die schnellere medizinische Diagnose aus (Archivbild). Quelle: Roland Weihrauch/dpa

So innovationsfreudig sind die Deutschen

Berlin. Die Deutschen stehen technischen Innovationen mehrheitlich positiv und aufgeschlossen gegenüber und sehen in der fortschreitenden Digitalisierung vor allem Chancen für die Gesellschaft. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) exklusiv vorliegt.

86 Prozent sehen Innovationen demnach als entscheidend für den Fortschritt der Gesellschaft an, und für 68 Prozent überwiegen dabei die Vor- über die Nachteile. Eine große Mehrheit ist jedoch der Auffassung, dass Neuerungen allein zur Bewältigung der elementaren Probleme nicht ausreichen. So befürwortet zwar etwa die Hälfte der Befragten technische Entwicklungen als beste Maßnahme gegen den Klimawandel. 79 Prozent meinen aber, dass dazu auch Verzicht erforderlich sei.

Etwa 60 Prozent erwarten jeweils, dass durch die Digitalisierung neue Arbeitsplätze entstehen, die Arbeit erleichtert wird und durch neue Technik Unabhängigkeit im Alter erhalten werden kann.

„Deutschland ist ein innovationsfreundliches Land“, resümiert der Studienautor und Soziologe Jochen Roose. „Das betrifft die Unterstützung für Innovation und Innovationspolitik, aber auch eine persönliche Neugier auf Neues“, sagte er dem RND.

Anhänger von AfD und Linken sind seltener überzeugt

Unterschiede in der Innovationsfreudigkeit gibt es zwischen den Lagern der im Bundestag vertretenen Parteien. Anhänger der FDP messen technischen Entwicklungen am häufigsten eine besonders große gesellschaftliche Bedeutung zu, während sich die Werte bei Anhängern von SPD, CDU/CSU und Grünen nicht deutlich unterscheiden. AfD- und Linken-Anhänger sind dagegen seltener von der Wichtigkeit technischer Innovationen überzeugt.

Es gebe insgesamt auch einen starken kritischen Blick auf Innovationen, erklärte Jochen Roose. „Das ist aber nicht eine Ablehnung, sondern eine Neugier, die auch Fragen hat und genauer hinsieht – auf die Folgen einer Innovation und ihre Regulierung.“ Besonders der Datenschutz ist laut der repräsentativen Befragung, die im Februar und März 2021 telefonisch bei 1037 Personen durchgeführt wurde, vielen Deutschen wichtig. So sei die Bereitschaft zur Preisgabe von Daten ausgesprochen gering – besonders wenn es um medizinische oder finanzielle Daten geht.

Auch die Weitergabe von Fotos mit Freunden lehnte eine Mehrheit der Befragten ganz oder eher ab. Angesichts der hohen Verbreitung von Portalen wie Facebook, bei denen ebenjene Datenweitergabe ein normaler Bestandteil ist, überrasche diese hohe Ablehnung, heißt es in der Studie. Ähnliche Inkonsistenzen zeigen sich demnach auch bei der Weitergabe medizinischer Daten. So lehnte eine Mehrheit der Menschen, die Apps zur Beobachtung ihrer Gesundheitsdaten oder ärztliche Onlineberatung nutzen, gleichzeitig die Weitergabe medizinischer Daten ab. Dabei sei ein „Datenschutzparadox“ zu sehen.

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Von Felix Huesmann/RND