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Im Herbst könnten die Schulen in Sachen Corona erneut vor großen Herausforderungen stehen.

Corona und Schule: Die Politik droht die letzte Glaubwürdigkeit zu verspielen

Berlin. Das System Schule steht massiv unter Stress. Es darf niemanden verwundern, wenn Lehrkräfte sich vorkommen wie Paketboten, denen jemand immer noch zusätzlich etwas auf die Arme legt – ganz egal, ob sie vorher eine kleine Last loswerden konnten oder nicht.

Die Corona-Pandemie bringt seit mehr als zwei Jahren den Schulbetrieb immer wieder durcheinander. Die Integration geflüchteter Kinder aus dem Ukraine-Krieg erfordert eigentlich Tausende zusätzliche Lehrkräfte: Menschen, die es in dieser Zahl – trotz aller Bemühungen etwa um ukrainische Lehrerinnen – nicht gibt. Dass die wirtschaftlichen Folgen des Krieges, allen voran die Inflation, ärmere Menschen besonders hart treffen, wird die Schulen ebenfalls noch beschäftigen. Denn die sozialen Probleme der Gesellschaft spiegeln sich immer zuerst in den Schulen wider.

Es gibt keinen Zauberstab

Was bedeutet das für die Politik? Sie kann die Probleme nicht, wie durch das Auflegen eines Zauberstabs, mal eben verschwinden lassen. Sie könnte selbst mit viel Geld auf die Schnelle auch nur begrenzt zusätzliches Personal organisieren. Aber sie kann sich anstrengen, ihre Möglichkeiten auszureizen – auch, indem sie auf multiprofessionelle Teams mit Sozialarbeitern und Psychologen setzt.

Insbesondere aber müssen die politisch Verantwortlichen aus ihrem gewohnten Verhaltensmuster ausbrechen, Probleme so lange wie möglich zu ignorieren. Der weitere Umgang mit der Corona-Pandemie ist hier ein dringlicher Test. Damit die Schulen im Herbst so sicher wie möglich sind, braucht es neue gesetzliche Grundlagen für eine mögliche Maskenpflicht und weitere Anstrengungen bei der Impfkampagne. Für den Notfall – da haben die Lehrerverbände recht – muss auch Distanzunterricht besser vorbereitet sein.

Wenn es hinterher wieder nur heißt „Ach, wer hätte das nur kommen sehen können?“, verspielt die Politik in Sachen Schule ihre letzte Glaubwürdigkeit.

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Von Tobias Peter/RND