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Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) posiert mit Demonstrierenden am Rande einer Pressekonferenz am Donnerstag. Quelle: IMAGO/photothek

Das Selbstbestimmungsgesetz ist richtig – hat aber Nebenwirkungen

Um eines vorneweg zu sagen: Das Thema Selbstbestimmungsrecht verträgt keine falschen Zwischentöne, Hass und Hetze schon gleich gar nicht. Denn es betrifft die Leben einer Gruppe von Menschen, die bisher vor allem Diskriminierung erleiden mussten. Insofern ist es richtig, den schikanierenden Hindernislauf zu beenden für all jene, deren geschlechtliche Identität von ihrer biologischen abweicht.

Allerdings hat das Reformprojekt der Ampelkoalition Nebenwirkungen. Wenn die offiziell festgestellte geschlechtliche Identität allein einer Willensentscheidung unterliegt, dann ist Missbrauch nicht ausgeschlossen – dann nämlich, wenn Menschen eine andere geschlechtliche Identität nur behaupten, um daraus Vorteile zu ziehen, etwa bei der Berufswahl.

In Baden-Württemberg hat ein grüner Mann mal die Probe aufs Exempel gemacht und sich bei einem innerparteilichen Wettbewerb um einen Frauenplatz beworben. Das war eine politische Demonstration. Doch im Ernstfall stünden Gerichte vor schwierigen Entscheidungen.

Herausforderungen für die deutsche Diskussionskultur

Auch könnte die Abweichung von objektiven Kriterien bei anderen Identitätsfragen Schule machen – wenn jemand also einen Migrationshintergrund behauptet, den es nicht gibt, oder sich zum Ostdeutschen erklärt, wenn er in Westdeutschland geboren wurde. Das mag aberwitzig erscheinen. Vollkommen unmöglich ist es nicht. Die Abweichung von objektiven Kriterien öffnet jedenfalls einen Raum, der nicht allein Frauen und Männer mit „falschem“ Geschlecht angeht.

Über diese Fragen zu diskutieren, ohne Transgender-Menschen zu verletzen und dabei zu guten Ergebnissen zu kommen, stellt höchste Ansprüche an die Diskussionskultur in Deutschland. Leider hat sich diese in den letzten Jahren eher zurück entwickelt.

Von Markus Decker/RND