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Johannes Vogel (FDP) will mit Englisch als zweiter Amtssprache dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Quelle: imago images/Jürgen Heinrich

Englisch in Behörden: Verbände kritisieren Vorstoß der FDP

Die FDP fordert Englisch als zusätzliche Verwaltungssprache, um Behördengänge für Migrantinnen und Migranten zu erleichtern. Das geht aus einem Zehn-Punkte-Papier zur Einwanderungspolitik hervor, auf das die Liberalen sich am Montag verständigt haben.

Hintergrund des Vorstoßes ist der massive Fachkräftemangel. Der Zuwanderungsbedarf läge bei 400.000 Arbeitskräften im Jahr, heißt es in dem Papier. „Bei uns wird der Mangel in den kommenden Jahren immer größer werden, weil wir eine alternde Gesellschaft sind, viele Menschen gehen verdient in Rente“, sagt Johannes Vogel, stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP. Daher sei eine ganze Reihe an Maßnahmen notwendig. „Wir müssen neben attraktiven Arbeitsbedingungen auch die Regeln zur Einwanderung attraktiver machen“, so Vogel. „Zusätzlich brauchen wir auch Serviceorientierung in den Ämtern, Englisch könnte hier als zweite Amtssprache im Erstkontakt mit Fachkräften hilfreich sein.“

Städte und Beamtenbund erwarten erhebliches Mehr an Bürokratie

Skepsis kommt hingegen von der Seite, die die Zweisprachigkeit am Ende umsetzen müsste: Städte, Gemeinden und die zuständigen Beamtinnen und Beamten. „Der Deutsche Städte- und Gemeindebund begrüßt die Absicht der FDP, Deutschland insgesamt attraktiver für Zuwanderung zu gestalten“, sagte Geschäftsführer Gerd Landsberg dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Von der Forderung, Englisch als zweite Sprache in Behörden einzuführen, distanziert man sich jedoch. „Zusätzliche Bürokratie durch die Verpflichtung zu einer zweiten Amtssprache, deren Umsetzung sich über Jahre erstrecken würde, ist da kontraproduktiv und würde uns dem Ziel, eine bessere Willkommens- und Ankommenskultur zu etablieren, nicht näherbringen“, erklärte Landsberg.

So sieht es auch der Beamtenbund (dbb). Die pauschale Einführung von Englisch als zweiter Amtssprache erscheine wenig zielführend, da die erforderlichen Fremdsprachenkennnisse je nach Fachrichtung und Region sehr unterschiedlich seien. „Vielmehr besteht die Gefahr, dass hier ein erhebliches Mehr an bürokratischem Aufwand geschaffen wird“, sagte Sprecherin Britta Iwald dem RND. „Wenn es um Verordnungen und Gesetze geht, gilt hierzulande schon aus Gründen der Rechtssicherheit die Amtssprache, und die ist Deutsch.“ Im Zuge der Digitalisierung der Verwaltung könnten Übersetzungsprogramme helfen, auch die Beschäftigten würden immer diverser. „Bei der Personalgewinnung setzt der öffentliche Dienst bereits seit Jahren auf interkulturelle Kompetenz und – wo es geboten ist – auch auf Mehrsprachigkeit“, so Iwald.

Kritik vom Integrationsrat: „Nicht zu Ende gedacht“

Dass die Einführung von Englisch in Behörden am Ende den Migrantinnen und Migranten zugute kommt, bezweifelt auch der Vorsitzende des Integrationsrats, Memet Kilic. „Die Absicht der FDP mag vielleicht gut sein, sie ist aber nicht zu Ende gedacht“, sagte er. Justizangehörige etwa müssten bei Umsetzung der FDP-Forderung Verhandlungen auf Englisch durchführen können. „Das wäre eine große Herausforderung“, betonte Kilic. „Hier ist die FDP etwas realitätsfern und die gute Absicht damit verfehlt.“ Stattdessen schlägt der BZI-Vorsitzende vor, dass der Staat in bestimmten Gebieten die Dolmetscherkosten übernimmt. Dadurch würde einer größeren Bevölkerungsgruppe, die der deutschen Sprache nicht mächtig ist, geholfen werden, so Kilic.

Positiv äußerte sich hingegen die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan. „Wir machen Deutschland zu einem modernen Einwanderungsland. Es ist eine Freude, dass die Regierungskoalition mit vereinten Kräften an einem Strang zieht“, sagte sie dem RND. Sprache sei der Schlüssel zu gelungener Integration. „Wir werden mehr Einwanderung von Fach- und Arbeitskräften ermöglichen, mitgebrachte Bildungsabschlüsse besser anerkennen und die Wege zur Einbürgerung ebnen. Die Fachkräftestrategie steht für diesen Herbst in den Startlöchern.“

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Von Thea Schmidt, Anna Westkämper/RND