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Vor malerischer Kulisse: Die Teilnehmer der Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine im schweizerischen Lugano posieren für das offizielle Abschlussfoto. Quelle: Michael Buholzer/KEYSTONE/EDA/dp

Eine Wiederaufbaukonferenz als Mutmacher für die Ukraine

Berlin. Es klingt etwas absurd: eine Wiederaufbaukonferenz für ein Land, in dem nach wie vor ein schrecklicher Krieg tobt. Welchen Sinn macht es, Zerstörtes wieder aufzubauen, wenn täglich neue Verwüstungen hinzukommen? Der brutale russische Angriffskrieg konzentriert sich nicht nur auf den Osten der Ukraine, sondern terrorisiert mit Raketen- und Granatenbeschuss ständig auch neue Landesteile.

Während Vertreterinnen und Vertreter von 40 Staaten der Welt im malerisch von Bergen und Wasser umrahmten Lugano in der Schweiz tagten, ertönte zumindest nachts fast in der gesamten Ukraine Luftalarm. Dabei liegen schon Zehntausende Wohnungen und Betriebe in Schutt und Asche. Wiederaufbau unter Kriegsbedingungen?

Ein klares Signal aus Lugano

Man sollte sich nicht so sehr an der Begrifflichkeit festhalten und eher die Sache an sich würdigen. Mutmacherkonferenz wäre möglicherweise treffender, denn darum ging es sicher in erster Linie: der Ukraine und ihren Menschen Mut zu machen, dass sie mit all dem über ihnen hereingebrochenen Unglück nicht alleingelassen werden. Insofern ging von Lugano ein klares Signal aus: Wir unterstützen euch – finanziell, wirtschaftlich, politisch und moralisch!

Das Treffen in der Schweiz war so etwas wie ein Kick-off-Meeting, um ein langfristiges Großprojekt in Gang zu setzen, das Jahrzehnte laufen und Milliarden kosten wird. Die potenziellen Geberländer haben dabei klargemacht, dass sie im Gegenzug Korruptionsbekämpfung und volle Transparenz von der Ukraine erwarten.

Zerstörte Wasserleitungen kann man provisorisch flicken, notdürftig Behelfsbrücken über Flüssen schlagen und zerbombte Straßen ausbessern. Aber mit einem Wiederaufbau hat das noch nichts zu tun. Davor steht ein Friedenschluss, wie auch immer er aussehen mag. Ohne die Beendigung des Krieges wird es keinen echten Neuanfang für die Ukraine geben.

Von Jan Emendörfer/RND