Anzeige
Katrin Göring-Eckardt bei ihrem Besuch in Odessa. Quelle: IMAGO/NurPhoto

Göring-Eckardt: Bundesregierung muss direkte Panzerlieferungen an Kiew klären

Berlin. Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt hat die Bundesregierung aufgerufen, in den nächsten Tagen Alternativen zu dem mit Polen geplanten und jetzt stockenden Waffenringtausch für die Ukraine zu klären und gegebenenfalls direkt Panzer an Kiew zu liefern. „Der Ringtausch funktioniert nicht wie geplant“, sagte Göring-Eckardt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Alternativen gehören auf den Tisch. Etwa, direkt Waffen zu liefern, wenn wir das können. Das zu klären, ist die Aufgabe der Bundesregierung in den nächsten Tagen.“ Auf die Frage, ob sie auch direkte Panzerlieferungen befürworte, antwortete die Grünen-Politikerin: „Wenn das schneller geht und wir oder andere Partner es können.“

+++ Lesen Sie hier das gesamte Interview +++

Deutschlands Rolle bestehe jetzt vor allem darin, „eine ausreichende Unterstützung der Ukraine mit Waffen zu organisieren – die müssen auch tatsächlich ankommen.“ Göring-Eckardt mahnte: „Es macht einen Unterschied, ob Waffen geliefert werden oder nicht.“ Russland habe seine unmittelbaren strategischen Ziele nicht erreicht, weil die Ukraine mit den notwendigen und richtigen Waffen ausgestattet gewesen sei. „Davon braucht es mehr.“

Als Reaktion auf Russlands Raketenangriff auf die Hafenstadt Odessa trotz des Abkommens zu ukrainischen Getreidelieferungen über das Schwarze Meer müsse Kiew „noch schneller ausreichend Waffen bekommen“. Göring-Eckardt sagte: „Die Ukraine braucht mehr Luftabwehr.“ Und die internationale Gemeinschaft sollte prüfen, ob Sanktionen gegen Russland gezielt verschärft werden können, „um Putin von seinem wahnsinnigen Feldzug abzubringen“.

Debatte über längere Atomlaufzeiten absurd

Die Debatte über längere Laufzeiten der letzten drei Atommeiler in Deutschland bezeichnete sie als absurd. „Die wenigen Monate mehr elektrische Energie durch eine etwas längere Laufzeit der drei AKW helfen doch nicht weiter. Wir sollten uns besser fragen, wie wir nachhaltig Energie einsparen. Schon das allein ließe uns auf den Atomstrom verzichten.“

Ferner spiele die Sicherheit eine Rolle. „Atomkraftwerke sind nicht sicher. Sie können angegriffen werden, dafür reicht ein Kleinflugzeug. Dann haben wir einen Super-GAU in Deutschland.“ Die Hälfte der Atomkraftwerke in Frankreich sei gerade nicht in Betrieb, weil es draußen zu heiß sei und die Meiler nicht gekühlt werden könnten. „Bei einer Hochrisikotechnologie können wir keinen Sicherheitsrabatt geben.“

Göring-Eckardt sagte: „Es ist eine per se absurde Debatte derjenigen, die uns in die schwierige Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen und von Russland gebracht haben.“ Diese forderten die Grünen auf, über ihren Schatten zu springen. „Das ist ein starkes Stück.“

Das habe ihre Partei bereits bei den Waffenlieferungen an die Ukraine und der Bereitschaft zu Gaslieferungen und längerer Nutzung von Kohlekraftwerken getan. „Eine solche Bereitschaft für eine realistische Politik wünsche ich mir auch von anderen.“

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Von Kristina Dunz/RND