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Wirtschaftsminister Robert Habeck steigt zum Auftakt seiner zweitägigen Reise durch Deutschland auf dem Rastplatz Mosigkauer Heide (Ost) zum Hintergrundgespräch in den Bus für Journalisten. Quelle: Soeren Stache/dpa

Habecks Sommerreise: Auf Hoffnungstour im Krisenland

Bad Lauchstädt. In Bad Lauchstädt versucht der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, ein bisschen Hoffnung zu verbreiten. „Wenn wir die nächsten zwei Winter vernünftig gemanagt kriegen, dann werden wir uns wundern, wo wir am Ende rauskommen“, sagt Robert Habeck und meint das Innovationspotenzial, das in den erneuerbaren Energien steckt. Da sei unter der Oberfläche der durch den russischen Angriff auf die Ukraine ausgelösten Energiekrise eine „dolle Dynamik“ zu sehen. Der Grünen-Politiker sagt das nicht nur; er meint es offenbar auch so.

Eigentlich hatte Habecks zweitägige Sommerreise, auf der der Energiepark Bad Lauchstädt die erste Station ist, fast eine Woche dauern und intensiver sein sollen. Doch dann wurde der Reisende positiv auf Corona getestet und musste in Isolation. So schnurrte die Tour unter der Überschrift „Wirtschaften und Arbeiten in Krisenzeiten“ zusammen. Seine Botschaft bringt Habeck aber trotzdem unter die Leute.

Gespräch mit Bürgern geplant

Die heiklen Termine finden am späteren Donnerstag sowie am Freitag statt. Da besucht der 52-Jährige im oberpfälzischen Plößberg ein Unternehmen, das Wellpappe herstellt, und im thüringischen Schleusingen einen Betrieb, der Glas produziert. Beide brauchen viel Gas; aus Russland fließt bekanntlich immer weniger. Auch ein Besuch bei den Stadtwerken in Bayreuth steht auf dem Programm – und ein Gespräch mit Bürgern der Stadt, die sich Sorgen machen wegen der Energiepreise, die Habeck zufolge pro Familie um einige hundert Euro steigen könnten.

Bad Lauchstädt ist freilich ein Ort, der aus seiner Sicht auch Hoffnung weckt. Dort befindet sich ein Gasspeicher, aus dem die nahe gelegenen Leuna-Werke beliefert werden. Zugleich wird hier Zukunft gestaltet. In dem Energiepark arbeiten sie daran, mithilfe von acht Windkraftanlagen produzierten Strom in grünen Wasserstoff zu verwandeln, der ab 2024 die Gaslieferungen ablösen soll.

Habeck lässt sich also die Pläne erläutern und demonstriert mit Zwischenfragen, dass er Ahnung hat. Er sagt, die gute Seite der Krise sei ja, dass die Existenz von Ressourcen endlich nicht mehr als selbstverständlich gelte, sondern hinterfragt werde. Dann kommt er mit Mitarbeitenden ins Gespräch.

Die Leiterin der Abteilung Grüne Gase bei der VNG AG, Cornelia Müller-Pagel, klagt, dass man für die Anlage 66 Leitz-Ordner Papier für behördliche Genehmigungen habe einreichen müssen. Falk Zeuner von der Terrawatt Planungsgesellschaft sagt: „Entscheidend war, dass es politischen Rückenwind gab; plötzlich ging da was.“ Der Minister räumt ein: „Es gibt zu viele Wenns und Abers. Aber man darf sich nicht nur hinter der Bürokratie verschanzen.“ Vor allem auf sein eigenes Haus, das über die Grenze hinaus Leistung bringe, lässt er nichts kommen.

Kein Raum für Resignation: Habeck wirkt beflügelt

Letzter Programmpunkt in Bad Lauchstädt ist die Besichtigung von Salzkavernen, in denen der Wasserstoff künftig gespeichert werden soll. Es wäre, wie die Macher sagen, der erste Speicher für grünen Wasserstoff weltweit. Ohnehin soll die Belieferung von Leuna über eine 20 Kilometer lange Leitung nur der Anfang sein. Ziel ist die Gewinnung weiterer Kunden. Womöglich könnten mit grünem Wasserstoff dereinst auch Lkw auf der nahegelegenen Autobahn betankt werden, heißt es.

Derlei ist ganz nach dem Geschmack des hohen Besuchs aus Berlin. Er preist den Energiepark als „Ort der Transformation“. Überhaupt will Robert Habeck, den die Krise eher beflügelt, Resignation keinen Raum geben. Natürlich sei die Herausforderung groß, sagt er bei einem Stopp auf der Autobahn unterwegs zur nächsten Station. Doch es werde auch viel zu ihrer Bewältigung getan.

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Von Markus Decker/RND