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Sollten Menschen noch später in Rente gehen? Der aktuelle Vorschlag führt in die Irre, kommentiert Tobias Peter.

Rente ab 70: Dieser Vorstoß des Gesamtmetall-Chefs führt in die Irre

Berlin. Der Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Stefan Wolf, weiß, wie man Aufsehen erregt. Er hat sich für eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ausgesprochen. Die Frage, wie wir unser Rentensystem langfristig finanzieren, ist eine wichtige. Umso bedauerlicher ist es, dass der Gesamtmetall-Chef bei seiner Argumentation ein grobes, in Teilen irreführendes Muster auflegt.

Die Behauptung, die Reserven seien aufgebraucht, ist Panikmache. Wer sich mit der gesetzlichen Rentenversicherung auskennt, weiß: Momentan stehen wir hier noch sehr stabil da. Ab dem Jahr 2025, wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht, gibt es zunehmenden Reformbedarf. Fraglos wäre es wünschenswert, wenn die Bundesregierung sich nicht davor drücken würde, hierfür Konzepte zu entwickeln – schon in dieser Legislaturperiode.

Die vielen Stellschrauben

Angesichts des demografischen Wandels wird die Politik nach und nach an vielen Stellschrauben drehen müssen. Klar ist: Deutschland braucht mehr qualifizierte Einwanderung in den Arbeitsmarkt. Der Steueranteil in der Rentenkasse wird weiter anwachsen und, ja, auf längere Sicht muss vermutlich auch das Renteneintrittsalter noch mal steigen.

Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium hat vor einem Jahr den klugen Vorschlag gemacht, das Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Wenn diese steige, solle ein Teil davon länger gearbeitet werden. Das ist ein fairer Gedanke.

Nur: Die statistische Lebenserwartung in Deutschland hat sich durch die Corona-Pandemie gerade verringert. Das bleibt hoffentlich nicht so – aber es zeigt, wie zeitlich deplatziert der Vorstoß des Gesamtmetall-Chefs ist. Für immer vom Tisch ist die Debatte damit aber nicht. Ohnehin gilt: In Zeiten des Fachkräftemangels werden viele Unternehmen mehr dafür tun müssen, um ältere Arbeitnehmer lange im Betrieb zu halten.

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Von Tobias Peter/RND