Samstag , 24. September 2022
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Fracking ist seit 2016 in Deutschland verboten. Quelle: Jim Lo Scalzo/EPA/dpa

Studie findet Erdgas unter Rügen: Kann ein Abbau aus der Energiekrise helfen?

Die Energiekrise dauert an, und die Politik sucht nach Lösungen. Die könnten sich nun im Norden Deutschlands auftun. Laut einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) werden in Norddeutschland große Vorkommen von Schiefergas vermutet. Im Boden von beinahe der ganzen Inseln Rügen und Hiddensee in Mecklenburg-Vorpommern sollen riesige Erdgasfelder schlummern, berichtete zuerst die „Ostsee-Zeitung“.

In Zeiten der Energiekrise ist das Musik in den Ohren einiger Politiker. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat von den Gasvorkommen in Norddeutschland Wind bekommen und schlägt nun vor, die Möglichkeiten des Erdgasfrackings zu prüfen. Dabei liegt sein Fokus vor allem auf Niedersachsen, wie die „Ostsee-Zeitung“ berichtet.

Kretschmer stellt sich hinter Söder

Fracking ist in Deutschland seit 2016 verboten. Bei dieser umstrittenen Fördermethode wird mit hohem Druck unterirdisch Gestein aufgebrochen, um die Lagerstätten maximal auszubeuten. Als mögliche Folgen gelten spätere Erdbeben und der Ausstoß stark klimaschädlichen Methans.

Wird Rügen bald zur Bohrinsel? Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) jedenfalls springt Söder bei dessen Frackingvorstoß zur Seite. Die Frage müsse erlaubt sein, so Kretschmer, warum Deutschland jetzt Frackinggas aus den USA importiert – wenn diese Technologie doch mit „wesentlich höheren Umweltschutzmaßnahmen“ auch hierzulande eingesetzt werden könne. Söder richtete sein Augenmerk vor allem auf mögliche Gasvorkommen in Niedersachsen.

Gasvorkommen in Mecklenburg-Vorpommern nicht ergiebig

Laut BGR-Sprecher Andreas Beuge steht eine Erkundung an der vorpommerschen Ostseeküste „noch ganz am Anfang“. In einem nächsten Schritt müssten Probebohrungen durchgeführt werden. Was dabei herauskäme und wie viel Erdgas sich tatsächlich fördern ließe, sei derzeit „völlig offen“. Fracking ist nach aktuellem Stand allenfalls für Pilotbohrungen zu wissenschaftlichen Zwecken zugelassen, bei denen es um Umweltaspekte geht.

Beim Bergamt Stralsund sind derzeit keine Aktivitäten bekannt, das jemand Erdgas-Probebohrungen auf Rügen oder anderswo in MV durchführen wolle. „Ich glaube nicht, dass die Vorkommen besonders ergiebig sind“, sagt Amtsleiter Thomas Triller. Bereits 2012 prüften mehrere Unternehmen, ob sich eine Erdgasförderung auf Rügen lohnen würde. Die Firmen werteten dafür vorhandene Bohrkerne im Geologischen Landesarchiv in Sternberg (Nordwestmecklenburg) aus. „Sie kamen zum Ergebnis, dass sich das nicht lohnen würde“, sagt Karsten Obst, Geologe im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie.

In 1000 bis 6000 Metern Tiefe befinden sich auf Rügen die entsprechenden Schichten. In MV wurde bereits tiefer gebohrt: Ein Bohrloch in Mirow (Mecklenburgische Seenplatte) aus den 1970er-Jahren mit mehr als 8000 Metern zählt zu den fünf tiefsten weltweit. Erdöl- und Erdgasförderung hat Tradition im heutigen MV, erste Probebohrungen gab es bereits vor fast 100 Jahren, kommerziellen Abbau seit mehr als 50 Jahren. In Mesekenhagen bei Greifswald und in Lütow auf Usedom wird immer noch Erdöl gefördert. Im Vergleich zu den 1990er-Jahren geht die Menge aber deutlich zurück, so das Bergamt Stralsund.

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Von Gerald Kleine Wördemann/RND