Donnerstag , 6. Oktober 2022
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Waldbrand in Ludwigsfelde: An der Waldsporthalle Ludwigsfelde hat der Waldboden gebrannt.

Feuerwehr schlägt Alarm: Wälder könnten noch im September brennen

Berlin. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für mehrere Regionen in Deutschland die Warnstufe Rot ausgerufen. Demnach sei die Brandgefahr im Nordosten und Südwesten Deutschlands besonders hoch: In Brandenburg und Sachsen rief der DWD mit „hoch“ die vierte von fünf Warnstufen aus, teilweise sogar die höchste Stufe „sehr hoch“. Genauso bewertet der Wetterdienst die Lage in Rheinland-Pfalz und großen Teilen Baden-Württembergs. Die Prognose gilt bis einschließlich Samstag.

Waldbrandexperten rechnen damit, dass die Feuer in Deutschlands Wäldern noch bis in den September hinein andauern könnten. Trockene Böden würden die Löscharbeiten schwerer machen, sagte Ulrich Cimolino, Waldbrandexperte des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Zudem sei das Risiko neuer Waldbrände weiterhin hoch, sagte Ulrich Schraml, Direktor der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, dem RND.

Schraml geht davon aus, dass sich das Waldbrandrisiko in Deutschland „regional wie auch zeitlich erweitert“. „Neben Sachsen und Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, wo es sehr trockene Böden und leicht brennbare Baumarten wie Kiefern gibt, steigt jetzt auch im Mittelgebirge und im Süden Deutschlands das Risiko für Waldbrände.“ Der Grund für diesen Trend liege vor allem in der zunehmenden Dürre.

Bei dem Zusammenspiel aus heißen Temperaturen und wenig Wasser würden Pflanzen austrocknen und absterben. „Das liefert dann gut brennbares Material für Waldbrände.“ Durch Hitze und Dürre allein entstünden aber noch keine Brände: „Wie viele Menschen unvernünftig sind und zum Beispiel trotzdem ein Lagerfeuer anmachen, bleibt abzuwarten“, sagte Schraml. „Ich gehe davon aus, dass das Waldbrandrisiko über eine lange Zeit anhält, es kann durchaus auch in den September hineindauern.“

Von der Trockenheit seien auch zunehmend tiefere Bodenschichten betroffen, sagte Ulrich Cimolino dem RND. „In der Sächsischen Schweiz sitzen die Glutnester zum Beispiel bis zu einem halben Meter tief im Boden“, erläuterte Cimolino. „Wenn wir mehr Niederschlag hätten, wäre das kein Problem, aber die aktuellen Wettervorhersagen versprechen nur einen marginalen Niederschlag.“ So müsse die Feuerwehr die Glutnester selbst ausfindig machen und löschen, was äußerst aufwendig sei.

Besserung ist offenbar noch nicht in Sicht. Cimolino beruft sich auf Prognosen des European Forest Fire Information System (EFFIS): „Insgesamt bleibt es bis Mitte September prognostisch zu warm und es kommt nicht genug Niederschlag herunter, um die Defizite auch nur annähernd zu decken.“ Seine Prognose: „Ich rechne damit, dass wir in der Sächsischen Schweiz und überall dort, wo sich viele Glutnester bilden, noch bis Mitte September mit den Waldbränden zu kämpfen haben.“

Er pocht auf schnelleres Handeln der Verantwortlichen beim Ausbruch eines Waldbrandes: „Die Anforderung der nötigen Einsatzkräfte, zum Beispiel Löschhubschrauber, muss immer so schnell wie möglich gehen.“ Sonst könnten sich Brände sehr schnell stark ausbreiten, was die Löscharbeiten umso schwerer mache.

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Von Niklas Engelking/RND