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28.07.2022, Russland, Moskau: Marina Owsjannikowa, frühere Mitarbeiterin des staatlichen Fernsehsenders Perwy Kanal, sitzt in einem Gerichtssaal vor einer Anhörung. Nach einer neuen Protestaktion gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hat ein Gericht in Moskau die Journalistin Marina Owsjannikowa zu einer weiteren Geldstrafe verurteilt. Quelle: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Kriegsprotest: Moskauer Journalistin Owsjannikowa nach Razzia festgenommen

Moskau. Die russischen Behörden haben am Mittwoch die bekannte Journalistin Marina Owsjannikowa festgenommen. Vorgeworfen wird ihr die Verbreitung von Falschinformationen über die russischen Streitkräfte, wie ihr Anwalt Dmitri Sachwatow in sozialen Medien mitteilte.

Zuvor hatten die Behörden bei der Journalistin wegen angeblicher Diskreditierung der russischen Armee eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Die Sicherheitsbeamten seien in das Haus eingedrungen, ohne die Ankunft von Owsjannikowas Rechtsbeistand abzuwarten, teilte der Anwalt Dmitri Sachwatow der Bürgerrechtsinitiative OWD-Info zufolge am Mittwoch mit. Owsjannikowa, die schon mehrere Geldstrafen wegen ihrer Kritik am russischen Angriffskrieg bezahlen musste, droht nun eine lange Haftstrafe.

Owsjannikowa wurde durch Protest in Live-TV weltberühmt

Laut Sachwatow beziehe sich das Strafverfahren auf einen Protest seiner Mandantin im Juli, bei dem diese ein Banner gehalten hatte, auf dem stand: „(Der russische Präsident Wladimir) Putin ist ein Mörder, seine Soldaten sind Faschisten. 352 Kinder sind (in der Ukraine) getötet worden. Wie viele weitere Kinder sollten sterben, damit Sie aufhören?“ Nach der Gesetzesverschärfung können Handlungen, die die russischen Streitkräfte diskreditieren, mit einer Haftstrafe von bis zu 15 Jahren bestraft werden.

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Owsjannikowa hatte als Mitarbeiterin des russischen Staatsfernsehens im März in einer Live-Sendung ein Protestplakat gegen den Krieg gezeigt. Darauf stand: „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen“. Dafür bekam die bis dahin als linientreu geltende Redakteurin weltweit Anerkennung. Nach der Aktion lebte sie zwischenzeitlich im Ausland und berichtete für die deutsche Zeitung „Welt“.

Nach ihrer Kündigung bezog Owsjannikowa weiter öffentlich Stellung gegen das russische Vorgehen in der Ukraine. In den vergangenen Wochen musste sie zwei weitere Male Geldstrafen zahlen.

Nach Angaben der Rechtshilfsorganisation Net Freedoms, die sich auf Fälle, die die Redefreiheit betreffen spezialisiert hat, gab es bis Mittwoch 79 Strafverfahren wegen des Vorwurfs der Verbreitung von Falschinformationen und bis zu 4000 Verwaltungsverfahren wegen des Vorwurfs der Herabwürdigung der Streitkräfte Russlands.

RND/dpa