Donnerstag , 6. Oktober 2022
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Ruslan Stefantschuk, Präsident des ukrainischen Parlaments. Quelle: Michael Kappeler/dpa

Ukrainischer Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk: Durchbruch dank „schwerer Waffen aus dem Westen“

Der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk hat bekräftigt, dass die Ukraine die seit 2014 von Russland annektierte Schwarzmeerhalbinsel Krim zurückerobern will. „Dieser Krieg wird nur enden mit einem Sieg der Ukraine“, sagte Stefantschuk in einem Exklusivinterview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) und erläuterte, dies bedeute auch die Rückgewinnung des gesamten Territoriums, das zur Ukraine gehört.

Ebenso gehe es um die Anerkennung der ukrainischen Grenzen, um Strafen auf der Ebene internationaler Gerichte für russische Verbrechen und auch um Reparationszahlungen für die von Russland angerichteten Zerstörungen in der Ukraine. „Für uns ist die Krim ein integraler Bestandteil der Ukraine, so wie es beispielweise Bayern für Deutschland ist. Und deshalb beabsichtigen wir wirklich, alles zurückzuholen, was zur Ukraine gehört“, betonte Stefantschuk.

Durchbruch mit Waffen aus dem Westen

Mit Blick auf westliche Waffenlieferungen sagte Stefantschuk, der Unterschied auf dem Schlachtfeld sei offensichtlich. „Als wir nur mit unseren alten Waffen im Kampf waren, befanden wir uns in einem Zermürbungskrieg mit der Gefahr für die Ukraine, ihn zu verlieren“, erläuterte der Parlamentspräsident. „Jetzt erleben wir mit den schweren Waffen aus dem Westen einen Durchbruch. Mit dieser neuen westlichen Technik in unseren Händen können wir vorwärtsmarschieren in Richtung Sieg.“

Aus Sicht der Ukraine sei es ganz wichtig, dass Russland für Deutschland nicht länger ein Land ist, mit dem man normale Wirtschaftsbeziehungen unterhält und Geschäfte macht. „Deutschland hat uns sehr geholfen, indem es seine Position gegenüber Russland geändert hat. Und wir sind sehr dankbar für die Entscheidung Deutschlands, uns zu unterstützen“, betonte Stefantschuk. „Ich hoffe sehr, dass die Zeiträume zwischen den Entschlüssen und dem tatsächlichen Eintreffen der Hilfen immer kürzer werden. Denn wir brauchen wirklich deutsche Technik, inklusive Panzer und Haubitzen.“ Die Beziehungen zur deutschen Regierung würden sich auf einem „hochprofessionellen Level“ befinden. „Wir haben ein sehr gutes Klima des Dialogs“, sagte Stefantschuk.

Nukleare Gefahr seit dem ersten Tag

Er warne zudem vor der Gefahr einer nuklearen Katastrophe im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. „Diese Gefahr existiert seit dem ersten Tag des Krieges“, sagte Stefantschuk in einem Exklusivinterview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Die russischen Aggressoren hätten zuerst das Atomkraftwerk Tschernobyl, dann das AKW Südukraine und zuletzt das AKW Saporischschja besetzt. „Bei all diesen Aktionen bestand eine Gefahr für die ganze Welt“, betonte Stefantschuk und mahnte, die Drohungen Russlands in Bezug auf Atomwaffen sollten die ganze Welt wachrütteln.

„Wir sollten anerkennen, dass Russland ein terroristischer Staat ist, der von unverantwortlichen Handlungen abgehalten werden muss“, sagte der ukrainische Parlamentspräsident. „Wenn es zu einem Nuklearkrieg kommt, wird es keine Grenzen mehr geben, das wird der erste und wohl auch der letzte Atomweltkrieg sein.“

Die Ankündigung Russlands, das AKW Saporischschja an das Stromnetz der Krim anschließen zu wollen, sei für ihn „überhaupt nicht überraschend“ gekommen, sagte Stefantschuk. „Die ehemals zweitstärkste Armee der Welt ist verkommen zu einer Armee der Räuber, Diebe und Marodeure, die alles klauen, was sie kriegen können: unsere Menschen, unseren Weizen und auch unsere Elektroenergie. Für mich ist das nur ein weiterer krimineller Akt von Russland auf unserem Territorium. Und jetzt versteht langsam die ganze Welt, dass Russland sich selbst hinter die Normen einer zivilisierten Welt zurücksetzt.“

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Von Jan Emendörfer/RND