Donnerstag , 6. Oktober 2022
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Seit die Brücken über den Dnipro zerstört sind, müssen sich die russischen Besatzer mit provisorischen Maßnahmen behelfen – schwimmenden Pontons zum Beispiel. Quelle: IMAGO/SNA

Russische Kommandeure sollen wichtige Stadt verlassen haben

Der Krieg kehrt nach Cherson, mit etwa 290.000 Einwohnern Hauptstadt der gleichnamigen Oblast im Süden der Ukraine, zurück. Die Stadt, die ihren Namen vom griechischen Wort Chersonesos bekommen hat, was Krim bedeutet, ist für die Ukraine zum Symbol der Hoffnung geworden. Hier soll die vor Wochen angekündigte Offensive ein erstes greifbares Ergebnis für die Regierung in Kiew bringen und dem Land, das sich seit 24. Februar so verbissen verteidigt, neues Selbstbewusstsein.

Laut dem ukrainischen Gouverneur der Region Mykolajiw, Vitaliy Kim, haben russische Kommandeure ihre Kommandoposten am rechten Dnipro-Ufer verlassen und sich auf das linke Ufer des Flusses zurückgezogen. Quelle dieser Information ist unter anderem das ukrainische Nachrichtenportal „Kyiv Independent“.

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Am rechten Ufer des Dnipro liegt die Großstadt Cherson, das Verwaltungszentrum der gleichnamigen Region. Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben am Samstag die letzte Brücke über den Dnipro schwer beschädigt.

Das führt zu einer starken Einschränkung der russischen Nachschublinien, teilte Serhij Chan mit, ein Mitglied des Regionalrats von Cherson. Die Russen seien nun nicht mehr in der Lage, Ausrüstung weiterzutransportieren.

Schäden an der Staumauer

Die Autobrücke des Staudamms Nowa Kachowka sei von Raketen- und Artillerieeinheiten gezielt unbrauchbar gemacht worden, hieß es vom ukrainischen Armeekommando Süd via Facebook. Die Verwaltung der russischen Besatzer bestätigte den Beschuss. Zugleich warnte sie vor Schäden an der Staumauer, was zu einer Katastrophe führen könne. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.

Die Betreiber haben nach eigenen Angaben die Leistung des angeschlossenen Wasserkraftwerks auf Notbetrieb heruntergefahren. „Wir arbeiten in einem sehr gefährlichen Modus“, sagte der Vizechef des Kraftwerks, Arsenyj Selenskyj, der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge.

Ein Rückzug des russischen Kommandos aus Cherson könnte darauf hindeuten, dass sich bald auch russische Truppen von dort zurückziehen – oder einen ukrainischen Gegenangriff mit hohen Verlusten für Russland erwarten. Andere Quellen berichteten, dass die Kommandeure normale Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen in Cherson zurückgelassen hätten.

Russland reagierte mit offensichtlichen Entlastungsangriffen weiter nördlich. Bei neuen Raketen- und Artillerieangriffen im Osten der Ukraine wurden nach eigenen Angaben Ziele in Dutzenden Ortschaften beschossen. Die Attacken konzentrierten sich auf die Region Donezk, im benachbarten Gebiet Charkiw sei die Ortschaft Udy eingenommen worden, teilte das russische Verteidigungsministerium am Sonntag in Moskau mit.

Die Region Cherson und einige andere Teile der Südostukraine gingen in den ersten Tagen des russischen Angriffs schnell verloren, mutmaßlich durch Verrat in den ukrainischen Reihen. Der Vormarsch der russischen Armee auf die nahe gelegenen Großstädte Mykolajiw und Dnipro konnte jedoch aufgehalten werden.

Seit Mitte März – als Russland sich auf den Donbass konzentrierte – gelingt es der Ukraine zunehmend, die Frontlinie in Cherson zu stabilisieren und Gegenangriffe auszuführen.

RND/dpa/AP

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