Donnerstag , 6. Oktober 2022
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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj trifft sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und UN-Generalsekretär António Guterres in Lwiw. Es ist seine erste offizielle Reise seit Kriegsbeginn. Quelle: Ukraine Presidency/Planet Pix vi

Selenskyj-Besuch in Lwiw: „Eine Demonstration von Stärke, Risikobereitschaft und Mut“

UN-Generalsekretär António Guterres und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan treffen sich an diesem Donnerstag in Lwiw (Lemberg) mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Für die Vereinten Nationen und die Türkei ist es der Versuch, knapp ein halbes Jahr nach dem russischen Angriff auf die Ukraine den Einstieg in eine Verhandlungslösung auszuloten. Daneben soll es um die Lage in dem von russischen Truppen besetzten AKW Saporischschja gehen und die Möglichkeiten einer internationalen Expertenmission.

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Es ist Selenskyjs erste öffentlich angekündigte Reise in die Westukraine seit dem 24. Februar. Seitdem war er zwar mehrmals in der Ukraine unterwegs und hat auch die Front besucht, die Reisepläne wurden aber geheim gehalten. Internationale Gäste empfing Selenskyj in der Hauptstadt Kiew. Warum also nun die Entscheidung für diese Art des Treffens?

„Er kann und ist bereit, das Risiko aufzunehmen, Kiew zu verlassen“

Darüber zeigt sich auch Russland-Experte Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) verwundert, sagt aber: „Selenskyj zeigt damit: Er kann und ist bereit, das Risiko aufzunehmen, Kiew zu verlassen und in anderen Landesteilen präsent zu sein.“ Seine Einschätzung: „Es ist auch eine Demonstration von Stärke, Risikobereitschaft und Mut.“

Der Militärexperte Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations (ECFR) schätzt die Stadt Lwiw gegenüber dem RND außerdem als „gut geschützt“ ein. Zudem sei durch Erdogans Beteiligung ein direkter russischer Angriff auf das Treffen eher unwahrscheinlich, da sich Erdogan als Vermittler positioniert und die Türkei Russland bisher auch nicht hart sanktionierte.

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Von Hannah Scheiwe/RND