Mittwoch , 12. August 2020
Notfallsanitäter sind häufig die ersten an einem Unfallort. Quelle: Andreas Arnold/dpa

Schnelle Hilfe: Notfallsanitäter sollen bei Einsätzen mehr Kompetenzen erhalten

Wenn es zu einem Unfall kommt, sind Notfallsanitäter als erstes zur Stelle. Bisher mussten sie jedoch auf das Eintreffen des Notarztes warten, um dem Patienten Medikamente zu verabreichen. Nach Plänen von Gesundheitsminister Jens Spahn soll sich das aber bald ändern.

Berlin. Notfallsanitäter sollen nach Plänen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mehr Kompetenzen erhalten. Ihnen soll unter bestimmten Umständen erlaubt werden, Patienten Medikamente zu geben oder sie vor dem Eintreffen eines Notarztes zu intubieren, also mittels Schlauch die Atemwege offen zu halten. Das berichtete die „Ärzte Zeitung“ am Samstag unter Berufung auf einen Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums für eine Reform der medizinisch-technischen Assistenzberufe (MTA-Reformgesetz), der am Freitag in das Anhörungsverfahren verschickt worden sei. Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte auf dpa-Anfrage den Bericht.

Nach Rücksprache mit Arzt: Sanitäter könnten Medikamente verabreichen

Mit dem Gesetz will Spahn demnach die Ausbildung vier medizinischer Assistenzberufe reformieren und das Schulgeld für die Azubis abschaffen. Den Plänen zufolge sollen Notfallsanitäter künftig bis zum Eintreffen eines Notarztes oder bis zum Kontakt mit einem Arzt per Telefon oder Video selbst sogenannte heilkundliche Maßnahmen ausüben dürfen – allerdings nur dann, wenn diese erforderlich sind, um einen lebensgefährlichen Zustand abzuwenden. Sie müssen diese Prozeduren im Rahmen ihrer Ausbildung erlernt haben und nachweisen können, dass sie sie beherrschen.

Tun dies Notfallsanitäter heute ohne ärztliche Anweisung, verstoßen sie gegen den sogenannten Heilkundevorbehalt im Heilpraktikergesetz. Im schlimmsten Fall können sie strafrechtlich wegen Körperverletzung belangt werden.

RND/dpa