Donnerstag , 1. Oktober 2020
Eine Frau trägt einen Mundschutz, während sie in einem Optikergeschäft im Glyfada-Stadtviertel in Athen eine Sonnenbrille anprobiert. Quelle: Yorgos Karahalis/AP/dpa

Angst vor der zweiten Welle – Griechenland verschärft Corona-Maßnahmen

Lange galt Griechenland als Vorbild bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Jetzt steigen auch dort die Infektionszahlen wieder steil an. Die Behörden reagieren mit neuen Einschränkungen.

Athen. Wenn Nikos Chardalias, der griechische Vizeminister für Zivilschutz, im Fernsehen erscheint, ist das meist keine gute Nachricht. Wenn der oberste Corona-Bekämpfer des Landes, wie jetzt, auch noch erstmals überhaupt mit einer Maske zu einer außerplanmäßigen Pressekonferenz vor den Kameras und Mikrofonen Platz nimmt, wissen die Zuschauer: Es ist ernst.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit Mitte Juli wurden in Griechenland pro Tag im Schnitt etwa 30 neue Infektionen gemeldet. Aber jetzt steigt die Kurve plötzlich steil an: 57 neue Fälle waren es vergangenen Mittwoch, 65 am Donnerstag, 78 am vergangenen Freitag und 110 am Samstag. Die Daten für Sonntag stehen noch aus.

Damit ist die Zahl der täglich gemeldeten neuen Fälle so hoch wie nie zuvor seit dem Ende des Lockdowns Anfang Mai. Experten führen den Anstieg auf eine wachsende Sorglosigkeit vor allem junger Leute zurück. Bisher hat Griechenland eine der niedrigsten Infektionsraten in Europa. Auch die Sterblichkeit liegt mit 20 Covid-19-Todesfällen pro eine Million Einwohner viel niedriger als zum Beispiel in Deutschland mit 111 Todesfällen pro eine Million Einwohner.

Von Maskenpflicht bis Volksfestverbot

Das “Geheimnis dieses Erfolges” sei das “persönliche Verantwortungsbewusstsein, das jeder Einzelne bisher gezeigt hat”, sagte Chardalias. Der Zivilschutzchef belässt es aber nicht bei Appellen. Um die Erfolge nicht zu gefährden, reagiert die Behörde jetzt mit neuen Maßnahmen.

Seit dem Wochenende gilt eine Maskenpflicht in allen öffentlichen geschlossenen Räumen, auch in den Kirchen. Besuche in Krankenhäusern und Altenheimen sind bis Mitte August verboten. An Hochzeiten und Taufen dürfen höchstens 100 Gäste teilnehmen.

In den Bars und Nachtclubs darf man nicht mehr stehen, alle Gäste müssen einen Sitzplatz haben. Damit soll sichergestellt werden, dass sich die Gäste nicht zu nahe kommen. Volksfeste bleiben verboten. Auch an den Stränden gelten bis Ende August Abstandsregeln.

Griechenland-Besucher aus EU-Staaten müssen sich vorab registrieren

Einreisen aus der Türkei, Albanien und Nordmazedonien sind nicht möglich. Für Reisende aus Bulgarien und Rumänien gelten verschärfte Bestimmungen, sie müssen ein aktuelles negatives Covid-19-Testergebnis vorweisen.

Griechenland-Besucher aus den EU-Staaten müssen sich vorab elektronisch im Internet (travel.gov.gr) registrieren. Wer ohne Registrierung einreist, riskiert 500 Euro Bußgeld.

RND

 

 

Von Gerd Höhler/RND