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Neuer Job, neue Herausforderung: Andrea Nahles in der Hauptstadtvertretung der Bundesagentur für Arbeit. Quelle: Janine Schmitz/photothek.de

Andrea Nahles: Eine Fachfrau an der Spitze der Bundesagentur für Arbeit

Berlin. Laut und fröhlich: es ist immer noch da, das charakteristische Lachen der Andrea Nahles. Jeder, der mit ihr Interviews als Politikerin geführt hat, kennt es. Nahles war SPD-Chefin und Arbeitsministerin. Jetzt ist sie Chefin der Bundesagentur für Arbeit.

Die 52-Jährige aus der Vulkaneifel hat eine lange Karriere in der Spitzenpolitik hinter sich – mit abruptem Ende. Es gibt wahrscheinliche keine andere Politikerin, bei der das öffentliche Bild so stark von dem Bild abwich, das Menschen von ihr hatten, die sie aus der unmittelbaren Nähe kannten. In ihrer Zeit als SPD-Chefin sprang der Funke in der breiteren Öffentlichkeit nie wirklich über, die SPD hatte verheerende Umfragewerte. Die eigene Bundestagsfraktion trieb Nahles aus dem Amt.

Eine Machtpolitikerin klassischer Schule

Von der Juso-Chefin, die noch Gerhard Schröder das Leben schwer machte, bis zur ersten Frau an der SPD-Spitze war es für Nahles ein steiniger Weg. Dabei wurde sie zu einer Machtpolitikerin klassischer Schule, ein Umstand, den man ihr als Frau viel übler nahm als Männern. Nicht wenige in der Fraktion beklagten sich über einen angeblich brachialen Führungsstil.

Als Nahles im April 2018 SPD-Vorsitzende wurde, hatte ihr politischer Abstieg eigentlich schon begonnen. Am 2. Juni 2019 zog Nahles nach verheerenden Wahlniederlagen und innerparteilichen Machtkämpfen die Reißleine. Sie trat als Partei- und Fraktionschefin zurück und gab sogar ihr Bundestagsmandat ab. Es war der komplette Rückzug aus der Politik.

Nahles führte den Mindestlohn ein

Ihre erfolgreichste Zeit in der Politik hatte Nahles als Bundesarbeitsministerin von 2013 bis 2017. Unter ihrer Ägide wurde der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland eingeführt. Die Sozialdemokratin band dabei, wie auch sonst in ihrer Amtsführung, sowohl Gewerkschaften als auch Arbeitgeber gut ein. Dass auch letztere sie aus ihrer Ministerzeit schätzen, dürfte ihr im neuen Amt als Chefin der Bundesagentur für Arbeit helfen.

Im Nachhinein sprechen im politischen Betrieb und in der eigenen Partei ohnehin alle nur gut über Nahles. Nie mehr dürfte man in der SPD so miteinander umgehen, wie man es mit Nahles getan habe, heißt es immer wieder. Als vorbildlich gilt Nahles‘ Verhalten als Ex-Vorsitzende. Während Sigmar Gabriel und andere die Partei durch alle möglichen und unmöglichen Äußerungen immer wieder in Unruhe versetzen, hat Nahles einfach geschwiegen. Konsequent.

Das Verrückte ist auch, dass der Plan, den sie bei ihrer Wahl zur SPD-Vorsitzenden hatte, aufgegangen ist – nur ohne sie. In vier weiteren Jahren in der ungeliebten großen Koalition mit Angela Merkel (CDU) sollte die SPD sich für die Kanzlerschaft nach ihrer Zeit in Stellung bringen: mit Nahles als Parteichefin und Olaf Scholz in der Regierung. Am Ende blieb nur einer über – und wurde Kanzler. Befreundet sind Nahles und Scholz noch heute.

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Von Tobias Peter/RND