Anzeige
DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt fordert von der Politik einen Rettungsschirm für die Einrichtungen und Dienste der Freien Wohlfahrtspflege. Quelle: Thomas Frey/dpa

Träger warnen: Soziale Einrichtungen geraten wegen hoher Energiepreise in „akute Bedrängnis“

Berlin. Nach Angaben der Diakonie, Caritas und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bringen die hohen Energiepreise die sozialen Einrichtungen in Deutschland in große finanzielle Schwierigkeiten. „Uns erreichen täglich Notsignale, dass unsere diakonischen Einrichtungen, wie Pflegeeinrichtungen und Kindergärten, aber auch Beratungsstellen und Betreuungsdienste, die explodierenden Betriebskosten nicht mehr bezahlen können und im schlimmsten Fall ihren Betrieb einstellen müssten“, sagte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das müssen wir mit nachdrücklicher Unterstützung der Bundesregierung, aber auch der Länder und Kommunen, unbedingt verhindern.“

Lilie mahnte: „Die Versorgung mit sozialen Dienstleistungen ist gefährdet und mit ihr die Versorgung genau jener Menschen, die in dieser Krise auf diese Unterstützung besonders angewiesen sind.“

Warnungen kamen auch vom DRK. Präsidentin Gerda Hasselfeldt sprach von einer „akuten Bedrängnis“, in die viele Sozial,- Pflege-, und Gesundheitseinrichtungen kämen. „Das hat direkte Auswirkungen auf die Menschen, die in diesen und durch diese Einrichtungen versorgt und unterstützt werden“, sagte sie auf RND-Anfrage. „Im schlimmsten Fall kann die Versorgung und Unterstützung nicht mehr adäquat sichergestellt werden – und das in einem Moment, in dem viele Menschen angesichts steigender Preise umso mehr auf Unterstützung angewiesen sind.“ Wenn nicht bald politische Schritte eingeleitet würden, „ist die Schließung mancher sozialen Einrichtungen nicht zu vermeiden“.

Forderung nach Sonderfonds

Hasselfeldt erinnerte an die darüber hinaus zu erwartenden Steigerungen der Eigenleistungen der Pflegebedürftigen sowie an die Kostensteigerungen wegen Faktoren wie Heizung, Catering und Wäsche. Die Einrichtungen und Dienste der Freien Wohlfahrtspflege seien systemrelevant und bräuchten dringend einen Rettungsschirm „in Form eines Sonderfonds“, verlangte Hasselfeldt.

Für die sozialen Einrichtungen und Dienste sei die Versorgungssicherheit das oberste Ziel, sagte auch Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa dem RND. Die Einrichtungen machten sich Gedanken über Notstromgeneratoren und was zu tun sei, wenn die Energieversorgung in einem Altenheim tatsächlich zwei Tage zusammenbreche. Man dürfe die einzelnen Einrichtungen nicht isoliert betrachten. „Alle unsere Altenheime, Jugendhilfeeinrichtungen und Kliniken sind eng eingebunden in arbeitsteilige Versorgungsketten“, erklärte sie und nannte ein Beispiel: „Wenn aufgrund astronomisch gestiegener Gaspreise die Wäscherei insolvent geht, die die Wäsche eines Caritas-Altenheims wäscht, dann muss unser Geschäftsführer seine alte Waschmaschine aus dem Keller holen.“ Das sei klima- und energiepolitisch unsinnig.

Lösungen müssten schnell gefunden werden, „weil schon das Liquiditätsproblem einen Träger in die Knie zwingen kann“. Sie pochte darauf, dass Menschen, die in Einrichtungen lebten, bei einem Gasgrundbedarf und beim Wohngeld nicht schlechtergestellt werden dürften als Personen, die in Privathaushalten wohnten.

Von Alisha Mendgen/RND