Donnerstag , 1. Dezember 2022
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Eine alte Bekannte im Trump-Lager: Schon beim CPAC-Kongress der ultrarechten Republikaner 2019 hielt Giorgia Meloni eine Rede. In diesem Jahr kam sie erneut zu der Tagung in Orlando. Quelle: imago images/ZUMA Wire

Die Trumpisten feiern eine Gleichgesinnte

Washington. Steve Scalise, der in New Orleans geborene Fraktionsgeschäftsführer der Republikaner im US-Repräsentantenhaus, war bester Laune: „Ich liebe meine italienischen Wurzeln“, schwärmte Scalise angesichts des Wahlsiegs der Postfaschistin Giorgia Meloni beim rechten TV-Sender Fox News. Starke „konservative Frauen“ wie Meloni und die britische Premierministerin Liz Truss würden dem Sozialismus in Europa den Garaus machen: „Wir müssen diese Art von Konservativismus in die USA bringen.“

Tatsächlich haben rechtsradikale Ideen, wie sie Melonis Partei vertritt, in den USA bei den Republikanern längst eine Heimat. Entsprechend groß ist die Begeisterung über den Wahlausgang nun im Trump-Lager. Italien sei das „weltweite Laboratorium für eine populistisch-nationalistische Revolution“, erklärte Steve Bannon vor wenigen Tagen in der britischen „Times“. Der einstige Chef-Ideologe von Ex-Präsident Donald Trump pflegt gute Kontakte zu Meloni. Die Römerin nannte ihn 2018 einen „Verbündeten“.

Melonis denkwürdiger Auftritt in Florida

Auch im übrigen Trump-Lager ist Meloni keine Unbekannte. Erst im Februar dieses Jahres hielt sie eine Rede beim CPAC-Kongress der rechten Republikaner in Orlando. Bannon preist sie nun in höchsten Tönen: Meloni werde Italien „von einem kaputten, stagnierenden, bankrotten Chaos zu Europas stärkster Wirtschaft mit Jobs und Wohlstand für alle transformieren“, fabuliert er.

Das dürfte man im Weißen Haus deutlich anders sehen, auch wenn sich Präsident Joe Biden mit einer Reaktion zunächst zurückhielt. Erst im Mai hatte er den bisherigen italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi im Weißen Haus betont herzlich als „guten Freund und großartigen Verbündeten“ begrüßt. Nun hofft die US-Administration, dass Meloni zumindest Kurs bei der Unterstützung der westlichen Sanktionen gegen Russland hält.

Ein hochrangiger Regierungsvertreter übte sich am Rande der UN-Vollversammlung in New York in der vorigen Woche schon in realpolitischem Erwartungsmanagement: „Es wird nicht genauso weitergehen wie mit Draghi“, räumte er ein: „Aber dieses Narrativ vom einstürzenden Himmel deckt sich nicht mit unseren Erwartungen.“

Von Karl Doemens/RND