Dienstag , 29. November 2022
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Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek.

Muslime in Deutschland befürchten Schüren islamischer Feindbilder

Berlin. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) verurteilt die sich fortsetzende Gewalt der Sicherheitskräfte gegen Protestierende mit vielen Verletzten und Toten im Iran.

„Viele deutsche Muslime haben großen Respekt vor dem Mut der protestierenden Frauen auf iranischen Straßen“, sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Sie bangen um Demonstrantinnen und Demonstranten, die brutal von iranischen Sicherheitskräften niedergeknüppelt werden.“

Zugleich beobachtet der ZMD-Vorsitzende mit Sorge, dass „einige dies hierzulande ausnutzen, um erneut das Feindbild Muslim zu schüren und so Zwietracht zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu säen“. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den Farbanschlag auf die Blaue Moschee in Hamburg am Sonntag, bei dem ein 71-Jähriger verletzt wurde. „Klar ist, dass die Sicherheitskräfte im Iran die Religion missbrauchen und das Selbstbestimmungsrecht von Frauen, ja, von Muslimen mit Füßen treten.“

Mazyek betonte vor dem Hintergrund der Verhaftung der 22-jährigen Iranerin Mahsa Amini wegen angeblicher Verstöße gegen die islamische Kleiderordnung und ihres ungeklärten Todes, dass es aus muslimischer Sicht „weder einen Kopftuchzwang noch einen Zwang, kein Kopftuch zu tragen“ geben dürfe. „Es geht hier mitnichten um den Glauben, sondern um Freiheit“, so Mazyek.

Die Proteste haben inzwischen mindestens 46 Städte, Ortschaften und Dörfer erfasst. Immer wieder nehmen Frauen dabei ihre Kopftücher ab oder schneiden sich in der Öffentlichkeit die Haare ab. Seit Beginn der Protestaktionen am 17. September kamen nach einem Bericht des staatlichen Fernsehens mindestens 41 Menschen ums Leben.

Der Chef der iranischen Justiz, Gholamhossein Mohseni Edschehi, warnte öffentliche und prominente Persönlichkeiten, die die Demonstrierenden offen unterstützten. Abbas Salehi, der iranische Minister für Kultur und islamische Führung, riet Schauspielerinnen, die in den sozialen Medien ihr Kopftuch abnahmen, sich einen anderen Beruf zu suchen. Er deutete damit an, dass das Ministerium ihnen ein Berufsverbot erteilen könnte.

Von Thoralf Cleven/RND