Mittwoch , 28. Oktober 2020
Aschraf Ghani, Präsident von Afghanistan. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Afghanistans Präsident Ghani will vorerst 400 Taliban in Haft lassen

Die Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den aufständischen Taliban dürften sich verzögern. Präsident Aschraf Ghani will vorerst auf die Freilassung von 400 Taliban verzichten. Doch genau deren Haftentlassung sieht ein Deal zwischen USA und Taliban vor, damit Gespräche zwischen beiden Konfliktparteien beginnen können.

Kabul. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hat am Freitag Hoffnungen auf einen baldigen Beginn von Verhandlungen mit aufständischen Taliban gedämpft. Die letzten 400 Taliban, deren Freilassung eine Bedingung für die Aufnahme von Gesprächen ist, blieben in Haft, kündigte Ghani am Freitag in einer Rede an die Nation zum muslimischen Opferfest Eid al-Adha an.

Sie seien wegen Straftaten verurteilt, für die er keine Begnadigungsbefugnis habe. Stattdessen werde er eine Loja Dschirga, eine große Ältesten-Ratsversammlung, einberufen, die darüber entscheiden werde. Der Rat werde „in Kürze“ zusammenkommen. Die Aufnahme von Verhandlungen zwischen afghanischer Regierung und Taliban dürfte sich dadurch verzögern; es könnte Wochen dauern, bis die Ältesten aus allen Landesteilen angereist kommen.

Unklar war auch, ob Ghanis politischer Rivale und aktueller Leiter des Hohen Rats für nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, den Schritt unterstützt. Im Rahmen einer Machtteilungsvereinbarung mit Ghani nach dem umstrittenen Ausgang der Präsidentenwahl in diesem Jahr wurde Abdullah damit betraut, die Friedensgespräche mit den Taliban zu leiten.

Taliban haben wohl vereinbarte Menge Gefangener freigelassen

Die Gefangenenfreilassung war Teil eines im Februar unterzeichneten Abkommens zwischen den USA und den Taliban, das ein Ende des jahrzehntelangen Konflikts in Afghanistan und einen Abzug der US-Truppen ermöglichen sollte. Es sah vor, dass die Regierung als Zeichen des guten Willens 5000 Taliban aus Gefängnissen und die Taliban 1000 Regierungsmitarbeiter und Militärangehörige freilassen sollten.

Die Taliban schlossen die Freilassung der 1000 nach Angaben eines Sprechers am Donnerstag ab. Sollten die restlichen Taliban freikommen, seien die Aufständischen binnen einer Woche zu Gesprächen mit der Führung in Kabul bereit, sagte Sprecher Suhail Schahin.

RND/AP