Dienstag , 29. November 2022
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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich im Ukraine-Krieg erneut als Vermittler angeboten. Quelle: IMAGO/APAimages

Erdogan will im Ukraine-Krieg vermitteln: Kritik an Scheinreferenden

Die von Russland inszenierten Referenden in der Ukraine stünden einer Konfliktlösung im Weg, so Erdogan nach einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Kiew. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die von Russland inszenierten Referenden in besetzten Teilen der Ukraine kritisiert. Diese erschwerten die diplomatischen Bemühungen, den Konflikt zu lösen, sagte Erdogan nach Angaben seines Büros nach einem Telefonat mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch.

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Erdogan kündigte am Mittwochabend außerdem an, mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Scheinreferenden zu sprechen. Selenskyj fordere die Unterstützung der Türkei für die betroffenen Regionen und „dass wir Putin überzeugen“, sagte Erdogan. Am Freitag werde er das mit dem Kremlchef diskutieren.

Zu den Referenden sagte Erdogan: „Ich wünschte, sie würden kein Referendum abhalten, und wir könnten dieses Problem stattdessen durch Diplomatie lösen.“

Russland hatte in den ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja Scheinreferenden über eine Abtrennung von der Ukraine abhalten lassen – angeblich mit überwältigender Zustimmung der Bevölkerung für einen Beitritt zur Russischen Föderation. Dass die russische Seite derartige Ergebnisse verkünden würde, galt bereits vorab als sicher. Der Westen und die Ukraine weisen die Abstimmungen als völkerrechtswidrig und gefälscht zurück.

Ankara will bei AKW Saporischschja vermitteln

Erdogan wiederholte zugleich die Bereitschaft der Türkei, zu einer Beendigung des Krieges beizutragen. Er könne die Einrichtung einer entmilitarisierten Zone um das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja vermitteln oder moderieren, bot Erdogan an.

Das Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine war in den letzten Wochen schwer umkämpft. Mehrfach wurde die Anlage getroffen, was international die Sorge vor einem Nuklearunglück erhöhte. Der Chef der Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, hatte kürzlich Verhandlungen mit Vertretern Russlands und der Ukraine zu dem ukrainischen Atomkraftwerk aufgenommen.

RND/AP/dpa