Donnerstag , 22. Oktober 2020
Das Mahnmal für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma am Reichstag in Berlin.

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma beklagt Diskriminierung

Der Völkermord an den Sinti und Roma ist in Deutschland erst 1982 anerkannt worden. Anlässlich des Gedenktages für Sinti und Roma am 2. August hat der Zentralratsvorsitzende daran erinnert, dass viele von ihnen in Deutschland in ständiger Angst vor Diskriminierung leben. Grund seien die weiterhin gängigen Klischees über „Zigeuner“.

Bielefeld. Der Zentralratsvorsitzende in Deutschland, Romani Rose, hat eine bis heute andauernde Diskriminierung von Sinti und Roma beklagt. “Viele leben lieber in der Anonymität, weil sie Angst vor Diskriminierung haben”, sagte der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma der “Neuen Westfälischen” am Freitag. Dass viele Angehörige der Minderheit sich nicht offen zu ihrem Hintergrund äußern wollten, liege vor allem an den gängigen Negativklischees über “Zigeuner”.

Der Völkermord an den europäischen Sinti und Roma sei in Deutschland erst 1982 offiziell anerkannt worden, sagte Rose mit Blick auf den Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma am 2. August. Anlässlich des Gedenktags wird Rose zusammen mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, am Sonntag an einer Gedenkveranstaltung im NS-Konzentrationslager Auschwitz teilnehmen.

“Rechtsextremisten sind eine Gefahr für Deutschland”

In Europa hätten schon lange vor dem Holocaust vor allem Juden, Sinti und Roma als Sündenböcke gegolten, erklärte Rose. „Einige aus unserer ursprünglichen Volksgruppe haben immer noch damit zu tun, ihre Identität wiederzufinden“. Noch immer gebe es einen grassierenden Antiziganismus. Sinti und Roma seien „zu häufig eine unerwünschte Minderheit“, sie würden „ausgegrenzt und zu Fremden erklärt“.

Rose warnte zugleich vor einem neuen Nationalismus in Europa. In EU-Mitgliedsstaaten wie Ungarn oder Polen gehe die politische Entwicklung mit einem Geschichtsrevisionismus einher. In Deutschland versuche die AfD, “völkisches Gedankengut hoffähig zu machen”, kritisierte Rose.

Die Partei jongliere mit Geschichte und Sprache. Das zeige sich unter anderem bei der Glorifizierung der Wehrmacht und der Forderung nach einer erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad. “Die Rechtsextremisten innerhalb und außerhalb der AfD sind eine Gefahr für Deutschland”, warnte er.

Zugleich würdigte der Bürgerrechtsaktivist die Erinnerungskultur in Deutschland. Historisches Gedenken sei “keine Übertragung von Schuld, sondern die lebendige Verpflichtung, sich gegen Antiziganismus, Antisemitismus und Rassismus zu stellen”.

RND/epd