Freitag , 30. Oktober 2020
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Quelle: John Macdougall/POOL/dpa

Armin Laschet besucht Flüchtlingslager auf Lesbos

Deutschland hatte zuletzt Dutzende unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus den überfüllten griechischen Camps aufgenommen, einige kamen nach NRW. Nun will sich der dortige Ministerpräsident, Armin Laschet, ein persönliches Bild von der Lage vor Ort machen. Er reist nach Griechenland und besucht Flüchtlingslager auf Lesbos.

Düsseldorf. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) besucht von Sonntag bis Mittwoch Griechenland und Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos. Begleitet wird er von Flüchtlings- und Integrationsminister Joachim Stamp (FDP), wie die Staatskanzlei am Freitag mitteilte.

Geplant seien zunächst politische Gespräche mit der griechischen Regierung in Athen und anschließend ein Flug nach Lesbos. Dort wolle sich Laschet mit Hilfsorganisationen austauschen und sich ein persönliches Bild von der Situation in Flüchtlingslagern machen.

Laschet plant nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa unter anderem einen Besuch im als Vorzeigecamp geltenden Lager Kara Tepe. Dort sind die Zustände besser als in dem berüchtigten überfüllten Lager von Moria. Der Regierungschef wird nach Angaben der Staatskanzlei auch mit Polizisten aus Nordrhein-Westfalen zusammentreffen, die derzeit im Frontex-Einsatz in Griechenland sind.

„Der entschlossene Kampf zur Bewältigung der Corona-Pandemie entbindet uns nicht von unserer Verantwortung auch in der Flüchtlingskrise“, erklärte Laschet. Deutschland hatte in den vergangenen Wochen Dutzende unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus den überfüllten griechischen Camps nach Deutschland ausgeflogen. Auch NRW hatte Kinder aus den Flüchtlingslagern aufgenommen.

Athen brachte dieses Jahr mehr als 14.000 Migranten von Lesbos aufs Festland

„Wir brauchen eine in Europa abgestimmte Haltung, die schnelle Hilfe für die notleidenden Kinder und Jugendlichen in den Flüchtlingslagern vorsieht“, forderte Laschet. „Es ist geboten und unsere humanitäre Verantwortung, hier endlich Lösungen zu finden und den Menschen zu helfen.“ Dazu brauche Griechenland die Solidarität Europas und dürfe mit der Situation nicht alleine gelassen werden. „Nordrhein-Westfalen ist bereit, seinen Beitrag zu leisten.“

Athen hat seit Jahresbeginn mehr als 14.000 Migranten von der Insel Lesbos aufs Festland gebracht. Das soll zur Entlastung des restlos überfüllten Flüchtlingslagers in Moria beitragen. Zurzeit harren rund 14.000 Migranten im berüchtigten Lager von Moria aus. Ende März hatten dort noch knapp 19.000 Migranten gelebt. Hilfsorganisationen sehen das Problem der Überfüllung des Lagers noch nicht gelöst.

Laschet will sich im Dezember um den CDU-Bundesvorsitz bewerben und gilt damit indirekt auch als möglicher Kanzlerkandidat. Seit Wochen gibt es eine Debatte um Laschets Kandidatur für den CDU-Vorsitz, weil seine Umfragewerte in der Corona-Krise immer schlechter wurden.

RND/dpa