Sonntag , 4. Dezember 2022
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Das Nord-Stream-1-Gasleck in der Ostsee, fotografiert aus einem Flugzeug der schwedischen Küstenwache.

Nord-Stream-Lecks: Auch Messstationen in MV registrierten Explosionen

Schwerin. Mögliche Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines sind auch von seismologischen Stationen in Mecklenburg-Vorpommern registriert worden. Am stärksten waren die Ausschläge der Messinstrumente auf der Insel Rügen, wo die Uni Kiel zusammen mit dem Geologischen Dienst des Landesamtes für Umwelt, Natur und Geologie (Lung) mehrere Messstationen betreibt.

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„Die seismischen Ereignisse am Montag waren nicht spürbar, aber sie waren messbar“, sagte Christian Weidle vom Institut für Geowissenschaften der Uni Kiel der „Ostsee-Zeitung“. Auch auf der Insel Usedom und nahe Anklam wurden die Erschütterungen sehr deutlich registriert. „Die seismischen Ereignisse lassen auf Magnituden von 2,3 beziehungsweise 2,7 auf der Richterskala am Ereignisort schließen“, so Weidle. Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern bestätigte die Angaben der Uni Kiel.

„Explosionsartige Ereignisse“, die Sprengungen ähneln

Die Messungen decken sich mit Angaben der schwedischen und dänischen Behörden. Dort hatten Messstationen vor dem Entstehen der Nord-Stream-Gaslecks kräftige Detonationen unter Wasser verzeichnet. Nach Angaben des Seismologen Björn Lund vom Schwedischen Seismologischen Netzwerk (SNSN) bestehe kein Zweifel daran, dass es sich um Sprengungen oder Explosionen handele. Auch der Kieler Geowissenschaftler Weidle geht davon aus, dass die Ereignisse nicht auf ein tektonisches Erdbeben, sondern auf „explosionsartige Ereignisse“ zurückzuführen seien, die vom Charakter her Sprengungen ähnelten.

Den Angaben der Messstationen zufolge ereignete sich am Montag zunächst um 2.03 Uhr eine Explosion an der Nord Stream 2 südöstlich von Bornholm sowie um 19.03 Uhr eine weitere an Nord Stream 1 nordöstlich der Insel, die insgesamt drei Lecks verursachten. Eine knappe Minute nach dem Ereignis hätten die seismischen Wellen die Messstationen in MV erreicht, so Weidle.

Eine Minute nach Ereignis Wellen auf Rügen angekommen

Schwedische Behörden hatten am Mittwoch über ein weiteres, kleineres Leck informiert. Betroffen sei die bereits durch das zunächst bekannte Leck beschädigte Leitung A der Nord Stream 2. Leitung B sei weiterhin stabil und intakt. Für diese Leitung sei auch kein Druckabfall registriert worden. Nach derzeitigem Stand gibt es somit an beiden Leitungen von Nord Stream 1 jeweils ein bekanntes Leck und zwei an einer der Leitungen von Nord Stream 2.

Die Uni Kiel betreibt zusammen mit dem Geologischen Dienst des Landes sechs Messstationen. Daneben gibt es acht weitere kleinere lokale Messstationen. Alle Standorte gehören zu den seismischen Stationsnetzen zur Erdbebenüberwachung. Zusammen mit den dänischen und schwedischen Kollegen würden die Daten nun genauer wissenschaftlich ausgewertet, so Weidle.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der „Ostsee-Zeitung“.

Von Martina Rathke/RND