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Auf diesem vom Pressedienst der ukrainischen Polizei veröffentlichten Bild, das mit einer Drohne aufgenommen wurde, ist die Situation nach einem Raketenangriff in Saporischschja zu sehen. Quelle: Uncredited/Ukrainian Police Pres

30 Tote bei Beschuss von zivilem Autokonvoi in Saporischschja

Bei einem Raketenangriff auf einen zivilen Autokonvoi in der südukrainischen Stadt Saporischschja sind am Freitag nach ukrainischen Angaben 30 Menschen getötet worden. Weitere 88 Menschen wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte. Der Gouverneur der Gebietsverwaltung von Saporischschja, Olexander Staruch, machte russische Truppen für den Angriff verantwortlich. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

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Der Konvoi sei beschossen worden, als er die Stadt verlassen wollte, um in das von russischen Truppen besetzte Gebiet zu gelangen. Die Menschen hätten dort Angehörige abholen und Hilfe bringen wollen. Rettungskräfte und Sanitäter seien vor Ort, teilte Staruch mit.

Auf Bildern war ein Krater neben beschädigten Autos zu sehen. Menschen lagen in Blutlachen neben den Fahrzeugen, andere saßen zusammengesackt hinter dem Steuer - die Toten wurden notdürftig mit Tüchern abgedeckt. Helfer versuchten, eine in Tränen aufgelöste Frau zu beruhigen, wie auf einer Aufnahme zu sehen war. Getroffen worden seien „nur Autos und friedliche Zivilisten“, darunter Frauen und Kinder, sagte der Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Dmytro Lubinez.

Die ukrainische Regionalverwaltung von Saporischschja erklärte den Samstag zum Tag der Trauer um die getöteten Zivilisten. In dem Gebiet gebe es keine militärischen Einrichtungen und es habe sich auch kein Militär dort befunden, betonte sie.

Selenskyj: „So können nur absolute Terroristen handeln“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lastete Russland den Beschuss der Zivilisten an. „So können nur absolute Terroristen handeln, für die in der zivilisierten Welt kein Platz ist“, schrieb der Staatschef beim Nachrichtenkanal Telegram am Freitag. Moskau wolle sich für seine Misserfolge und den ungebrochenen ukrainischen Widerstand rächen. „Zynisch vernichtet (der Feind) friedliche Ukrainer, denn er hat bereits seit langem alles Menschliche verloren“, schrieb der 44-Jährige. Für jedes verlorene Leben von Ukrainern werde Moskau zur Verantwortung gezogen.

Der Chef der russischen Besatzungsverwaltung des Gebiets Saporischschja, Wladimir Rogow, beschuldigte dagegen auf seinem Telegram-Kanal ukrainische Truppen, den Konvoi beschossen zu haben. Nach Rogows Angaben wurden 23 Menschen getötet und 34 verletzt, als sie versuchten, auf russisch kontrolliertes Territorium zu gelangen. Auch Russische Staatsmedien berichteten, der Konvoi sei von der Ukraine beschossen worden. Das ukrainische Militär habe seine eigenen Bürger angegriffen. Belege dafür wurden nicht genannt.

Weitere Städte von Russland beschossen

Unter Raketenbeschuss geriet auch die Großstadt Dnipro. Mindestens ein Mensch starb und fünf wurden verletzt. Ein Busdepot mit 150 Fahrzeugen ging in Flammen auf. Darüber hinaus wurde im südukrainischen Mykolajiw Raketenbeschuss gemeldet. Dabei sollen Wohnhäuser beschädigt worden sein.

In Mykolajiw schlug eine russische Rakete in einem Hochhaus ein und verletzte acht Menschen, sagte Gouverneur Witalij Kim. Die ukrainische Luftwaffe meldete neuerliche Drohnenangriffe auf Mykolajiw und Odessa. Die vom Iran gelieferten Drohnen setzte Russland in den vergangenen Wochen verstärkt ein, offenbar um Verluste weiterer Piloten zu vermeiden.

Am Nachmittag annektierte der Kreml das Gebiet Saporischschja als eins von vier Gebieten neben Cherson, Donezk und Luhansk offiziell. Bislang halten russische Truppen rund 70 Prozent der Region besetzt - allerdings nicht die Gebietshauptstadt Saporischschja selbst. Bereits in der Nacht zu Freitag hatte Russlands Präsident Wladimir Putin die Regionen Saporischschja und Cherson als unabhängig anerkannt.

EU-Kommission schlägt neues Sanktionspaket gegen Russland vor

Kiew forderte wegen des völkerrechtswidrigen Vorgehens weitere Sanktionen gegen Russland - einen Vorschlag für ein weiteres Paket legte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel vor.

Das Paket enthalte unter anderem die Rechtsgrundlage für einen Preisdeckel für Ölimporte aus Russland sowie weitere Importbeschränkungen im Wert von sieben Milliarden Euro, sagte Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Nun müssen die EU-Staaten über den Vorschlag verhandeln und einstimmig darüber entscheiden. Der Vorschlag für neue Strafmaßnahmen ist auch eine Reaktion auf die russische Teilmobilmachung im Krieg gegen die Ukraine sowie die Scheinreferenden in von Russland besetzten ukrainischen Gebieten.

RND/sic/jst/dpa/AP