Sonntag , 20. September 2020
Eine Schreckschuss-Pistole «Walther P22» mit Magazin. (Symbolbild) Quelle: Oliver Killig/zb/dpa

Immer mehr Deutsche haben “kleinen Waffenschein”

44.000 Menschen haben in den vergangenen 12 Monaten einen kleinen Waffenschein bekommen. Bis 2014 lag die Anzahl insgesamt noch bei 260.000 deutschlandweit. Davon ist man mittlerweile weit entfernt. Die meisten kleinen Waffenschein im Verhältnis zur Bevölkerung gibt es in Schleswig-Holstein, gefolgt vom Saarland und NRW.

Düsseldorf, Kiel, Hamburg. Immer mehr Menschen in Deutschland besitzen einer Umfrage zufolge einen kleinen Waffenschein. In den vorigen zwölf Monaten stieg die Zahl der kleinen Waffenscheine um rund 44.000 auf 686.000, wie aus einer Umfrage der Düsseldorfer “Rheinischen Post” unter den 16 Bundesländern hervorgeht. Die Anzahl der kleinen Waffenscheine in Deutschland steigt demnach schon seit fünf Jahren kontinuierlich: 2014 waren es noch 260.000.

Im Verhältnis zur Bevölkerung ist die Quote der Waffenscheinbesitzer dem Bericht zufolge in Schleswig-Holstein mit 10,4 Scheinen pro 1.000 Einwohner und im Saarland mit 10,2 Scheinen und in NRW mit 9,5 Scheinen am höchsten. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 8,2, die wenigsten Berechtigungen gibt es in Hamburg (4,4).

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete den Trend als “äußerst beunruhigend”. “Mehr private Waffen schaffen nicht mehr Sicherheit – im Gegenteil”, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende Jörg Radek der “Rheinischen Post”. Eine Schreckschusspistole sei auf den ersten Blick kaum von einer regulären Waffe zu unterscheiden. “Das erschwert der Polizei die Arbeit enorm”, beklagte Radek. Die Polizeigewerkschaft fordere schon lange, dass die Waffen und ihre Besitzer beim Kauf registriert werden.

Kleiner Waffenschein berechtigt Führen von Gas-, Schreckschuss- oder Signalwaffen

Anders sieht das Mathias Middelberg, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag: „Es ist für sich genommen nichts Schlechtes, dass immer mehr Bürger von ihrem Recht Gebrauch machen, eine Schreckschusswaffe zu erwerben und mitzuführen.“ Einen Anlass für stärkere Regulierung sieht er nicht. Auch das CSU-geführte Innenministerium schreibt, aus den gestiegenen Zahlen ergebe sich „kein gesetzgeberischer Handlungsbedarf“.

Ein “Kleiner Waffenschein” berechtigt zum Führen einer Gas-, Schreckschuss- oder Signalwaffe. Antragsteller müssen volljährig sein und werden von der Polizei durch Auskünfte unter anderem aus dem Bundeszentralregister und dem Staatsanwaltschaftlichen Verzeichnis auf ihre Zuverlässigkeit und Eignung zum Führen einer Waffe geprüft.

RND/epd