Bei den Wahlen zum Präsidenten der USA treten nicht nur Donald Trump und Joe Biden an: Viele Kandidaten wollen ins Weiße Haus in Washington, D.C. einziehen. Quelle: imago images/Heike Schreiber-Braun

Große Namen, Außenseiter und Kuriositäten: Das sind die Kandidaten im Rennen ums Weiße Haus

Kanye West, Phil Collins, verurteilte Verbrecher und ein Vietnam-Veteran: Zur Präsidentschaftswahl in den USA treten im November nicht nur der Republikaner Donald Trump und der Demokrat Joe Biden an. Doch wer sind die anderen Menschen, die Staatsoberhaupt der Supermacht werden wollen? Hier gibt es die Übersicht über die Kandidaten.

Washington. Donald Trump oder Joe Biden – das US-amerikanische Wahlsystem dürfte auch in diesem Jahr die Antwortmöglichkeiten auf die Frage nach dem neuen Präsidenten der USA auf die Kandidaten der Republikaner und der Demokraten verengen. Dabei gibt es noch viel mehr, oft ungewöhnliche Menschen, die Staatsoberhaupt der Supermacht werden wollen.

Das sind die Kandidaten für das Präsidentenamt bei den Wahlen im November 2020.

Donald J. Trump

Der amtierende und 45. Präsident der Vereinigten Staaten gilt als Populist, Protektionist und Nationalist. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2017 hat Trump unter anderem Muslimen die Einreise verboten, Obama-Care teils wieder zurückgefahren, Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un getroffen. Der 74-jährige Unternehmer und Milliardär ist mit den USA aus Verhandlungen für Freihandelsabkommen, dem Atomabkommen mit Iran und dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen – Letzteres, weil er den Klimawandel als “Wetter” abtut.

Trump ist einer von zwei Kandidaten, die echte rechnerische Chancen auf den Wahlsieg haben. Zwar sehen fast alle Prognosen ihn deutlich hinter seinem Herausforderer Joe Biden – das taten sie 2016 gegen Hillary Clinton aber auch.

Joe R. Biden

Der 47. Vizepräsident der Vereinigten Staaten regierte von 2009 bis 2017 gemeinsam mit Barack Obama und ist der designierte Kandidat der Demokratische Partei. Vor seiner Zeit als Vizepräsident war der 77-Jährige 36 Jahre lang Senator. Als Vizepräsident musste er die Große Rezession von 2009 bewältigen.

Der als “moderater Demokrat” eingeschätzte Biden hat mehrere Reformen vor allem im Bereich Finanzen vorangetrieben und befürwortete 2011 den Militäreinsatz der USA in Libyen. Neben Trump dürfte er der einzige Präsidentschaftskandidat mit reellen Chancen auf den Wahlsieg sein. In vielen Prognosen führt er die Umfragen an – aber das hat Hillary Clinton vor vier Jahren auch.

Joanne M. “Jo” Jorgensen

Die Kandidatin der Libertarian Party ist Dozentin für Psychologie an der Clemson University South Carolina. Bereits 1996 trat sie für ihre Partei für das Amt der Vizepräsidentin an. Die 63-Jährige befürwortet ein Modell, in dem Menschen ihre soziale Sicherheit aufgeben sollen, bewertet den Krieg gegen Drogen als rassistisch und will durch eine Forcierung der Kernenergie CO2-Emissionen einsparen.

Howard G. “Howie” Hawkins

Der Gewerkschafter und Parteimitbegründer der Green Party wird auch von der Socialist Party unterstützt – in beiden Parteien ist er Mitglied. Der 67-Jährige tritt seit 2010 für einen Green New Deal ein und ist engagierter Gewerkschafter. Die Kandidatur als US-Präsident ist Hawkins’ 25. Versuch, ein politisches Amt zu erringen. Hawkins ist ehemaliger UPS-Nachtschicht-Arbeiter, Vietnam-Veteran, Friedensaktivist und Befürworter anarcho-kommunistischer Ideen.

Weitere Kandidaten

Noch mehr Außenseiter als Jorgensen und Hawkins sind alle weiteren Gewillten für das Präsidentenamt der USA. Sie müssen jedoch noch hohe Hürden nehmen, um offiziell zur Präsidentenwahl zugelassen zu werden. Um in einem Bundesstaat antreten zu dürfen, müssen sie zum Beispiel eine bestimmte Zahl an Unterschriften sammeln. In einigen Staaten ist das bis September möglich.

Die Kandidaten, die in zumindest einem US-Bundesstaat zur Präsidentenwahl zugelassen sind:

Der 70-Jährige Unternehmer Don Blankenship tritt für die Constitution Party zur Wahl an. 2015 wurde er als Manager beim Kohleunternehmen Massey Energy zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er sich der gezielten Umgehung von Sicherheits- und Gesundheitsstandards schuldig gemacht hatte. Die Verstöße kosteten 2010 29 Minenarbeitern in der Upper Big Branch Mine in West Virginia das Leben. Blankenship leugnet außerdem den Klimawandel.

Der Unternehmer Rocky De La Fuente hat in der Vergangenheit für Demokraten und Republikaner für verschiedene politische Ämter kandidiert. Zur Präsidentschaftswahl tritt der 66-Jährige für die Reform Party und die American Delta Party an. Er gilt als Kritiker der Einwanderungspolitik Donald Trumps. Entlang der Grenze zu Mexiko gehören De La Fuente große Landstriche, die er der Regierung nach eigenem Bekunden gegebenenfalls teuer verkaufen würde.

Für die Party for Socialism and Liberation tritt die 66-Jährige politische Aktivistin Gloria La Riva an. Es ist ihre zehnte Kandidatur für ein politisches Amt. Ihr designierter Vizepräsident sitzt aktuell zwei lebenslange Haftstrafen wegen Mordes ab und wird nicht vor 2024 aus dem Gefängnis kommen.

Der wohl schillerndste Kandidat für das US-Präsidentenamt ist Rapper Kanye West. Mit 43 Jahren ist er einer der jüngsten Kandidaten. Zuletzt wurde West vor allem mit rechter Rhetorik auffällig. Er spricht sich gegen Abtreibung und die Todesstrafe mit derselben Begründung aus (“Thou shalt not kill”) und hat seine Überzeugung kundgetan, dass Impfungen ein Instrument des Teufels sind und zur Kontrolle der Menschheit eingesetzt werden.

Ein Namensvetter des britischen Sängers Phil Collins tritt für die Prohibition Party an, die sich vor allem durch ihren Kampf gegen den Alkohol hervortut. Der 53-Jährige steht für ein vornehmlich konservatives Weltbild. Wappentier seiner Partei – der ältesten dritten Partei in den USA: das Kamel.

Philosoph Jerome Segal tritt für die von ihm gegründete Partei Bread And Roses an, vertritt sozialistische Ideen und bezeichnet sich selbst als Utopisten. Der 76-Jährige will freiwillig auf eine Kandidatur in den Swing States verzichten, um Demokrat Joe Biden keine Stimmen im Kampf gegen Donald Trump abzugraben.

Für die Legalisierung von Marihuana tritt Lehrer und Archäologe Rudy Reyes von der Legal Marijuana Now Party an.

“Not left, not right, but forward”, lautet das Motto der von Bill Hammons gegründeten Unity Party. Der Parteigründer ordnet sich selbst genau in der Mitte des politischen Spektrums ein, befürwortet aber eine liberale Waffenpolitik, eine Grenzmauer zu Mexiko und die Todesstrafe.

Von Tammo Kohlwes/RND