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Der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur im am Dienstag in Warschau. Quelle: IMAGO/ZUMA Wire

Estlands Verteidigungsminister fordert Unterwasserüberwachung der Ostsee

Hamburg. Nach dem Anschlag auf die Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 in der Ostsee fordert der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT eine gemeinsame Unterwasserüberwachung der Nato und einen besseren Informationsaustausch zwischen den Nato-Ländern sowie zwischen der Nato und den Beitrittskandidaten Finnland und Schweden.

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„Die Nato betreibt seit Jahren ‚air policing‘, also Luftraumüberwachung, über der Ostsee“, so Pevkur. „Wir sollten jetzt auch über ‚sub policing‘ nachdenken, also Unterwasserüberwachung.“ Während die Luft- und Landaufklärung der Nato bereits gut sei, habe das Bündnis zu wenige Informationen über die Meere. „Was die Meere angeht, wissen wir nur, was sich an der Oberfläche tut. Darunter wird‘s schwierig.“

Pevkur sieht Deutschland in der Pflicht

Finnland und Schweden hätten gute Aufklärungssysteme und er hoffe, dass die beiden Länder diese Informationen in Zukunft stärker mit der Nato teilen würden. Auch Deutschland sieht der estnische Verteidigungsminister in der Pflicht: "Alles, was Deutschland dazu beitragen kann, dass wir ein besseres Bild davon bekommen, was unter Wasser passiert, ist willkommen", sagt Pevkur. "Das Bewusstsein, dass wir dort bessere Aufklärung brauchen, ist ja jetzt immerhin da."

Er äußert sich auch zu der Frage, wer für die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines verantwortlich sein könnte: „Wir müssen natürlich noch die Ermittlungen abwarten, wir haben noch keine Beweise. Aber der einzige Staat, der ein Interesse an dieser Sabotage hat, ist Russland.“

Von der Leyen fordert Stresstest für Pipelines

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat nach der mutmaßlichen Sabotage an Erdgas-Pipelines in der Ostsee Schutzmaßnahmen gefordert. Die Schäden an den Nord-Stream-Pipelines hätten „gezeigt, wie gefährdet unsere Energie-Infrastruktur ist“, sagte von der Leyen am Mittwoch vor dem EU-Parlament in Straßburg. „Wir müssen unsere Infrastruktur einem Stresstest unterziehen“, sagte sie. „Wir müssen feststellen, ob wir Schwachstellen haben und wo diese Schwachstellen sind.“

Die Schäden an den Pipelines zwischen Russland und Deutschland waren durch Sprengstoffexplosionen im Meer vor den Küsten Schwedens und Dänemarks entstanden. Dabei gab es Methan-Lecks.

RND/ots/AP