Samstag , 3. Dezember 2022
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Russlands Präsident Wladimir Putin spricht bei einer Videokonferenz. (Archivbild). Quelle: IMAGO/SNA

Putin macht Verteidigungsministerium für Probleme bei Mobilmachung verantwortlich

Moskau. Angesichts der Panik unter jungen Männern in Russland wegen der Teilmobilmachung für den Krieg in der Ukraine befreit Präsident Wladimir Putin weitere Gruppen vorübergehend vom Militärdienst.

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Einem am Donnerstag vom Kreml in Moskau veröffentlichten Dekret zufolge wird die Einberufung von Studenten an Privat-Universitäten mit staatlicher Zulassung ausgesetzt. Einen Aufschub bekommen demnach auch bestimmte Postgraduierte und Menschen, die Priester werden oder andere religiöse Berufe ergreifen wollen.

Der Kremlchef machte gegenüber russischen Medien das Verteidigungsministerium für die nachträglichen Änderungen verantwortlich. Das Ministerium habe „die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Liste der nicht mobilisierbaren Personen nicht rechtzeitig geändert“, sagte Putin demnach. Deshalb seien Anpassungen erforderlich. Ähnlich äußerten sich russische Politiker sowie Militärblogger.

Wird Verteidigungsminister Schoigu bald entlassen?

Die Kritik wird insbesondere gegenüber dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu erhoben, der für die jüngsten Niederlagen der russischen Truppen in der Ukraine verantwortlich gemacht wird. Laut der US-Denkfabrik Institute for the Study of War stehe eine Entlassung Schoigus zwar bevor, Putin aber werde wahrscheinlich so lange mit diesem Schritt warten, „wie er es für möglich hält, um Schoigu weiterhin für anhaltende militärische Misserfolge verantwortlich zu machen und Unterstützung bei anderen Fraktionen aufzubauen“. Shoigus Nachfolger müsse die Verantwortung für Fehler übernehmen, die nach Beginn seiner Amtszeit auftreten.

Putin will nach offizieller Darstellung landesweit 300.000 Reservisten einziehen, die die russischen Truppen nach den jüngsten Niederlagen verstärken sollen. 200.000 Männer wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau bisher eingezogen. Ausgeschlossen waren bislang etwa Studenten, Mitarbeiter staatlicher Medien und IT-Experten, aber auch Väter von vier oder mehr Kindern. Der Staatschef hatte zuletzt Fehler bei der Teilmobilmachung eingeräumt. Sie hat nach Einschätzung von Experten auch zu einer Massenflucht gut ausgebildeter Fachkräfte aus dem Land geführt.

RND/sic/dpa