Donnerstag , 24. September 2020
Ein 93 Jahre alter ehemaliger SS-Wachmann des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig wird im Landgericht Hamburg in einem Gerichtssaal geschoben. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Nebenklage legt Revision gegen Urteil im Prozess um Ex-KZ-Wachmann ein

Ein früherer SS-Wachmann im KZ Stutthof war in der vergangenen Woche zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Doch das Urteil des Landgerichts Hamburg wird vorerst nicht rechtskräftig. Nebenklagevertreter haben Revision eingelegt, weshalb nun auch die Verteidigung ihre Pläne umwirft.

Hamburg. Nach dem Hamburger Urteil gegen einen früheren SS-Wachmann im KZ Stutthof haben zwei Nebenklagevertreter Revision eingelegt. Das sagte ein Gerichtssprecher am Mittwoch auf Anfrage. Zuvor hatte die Verteidigung erklärt, der Angeklagte wäre bereit, das Urteil zu akzeptieren, um einen Abschluss zu finden.

“Die Verteidigung wird nur dann Revision einlegen, wenn die Staatsanwaltschaft oder Nebenklagevertretende dieses ihrerseits ankündigen”, hatte Verteidiger Stefan Waterkamp gesagt. Nach der Mitteilung der Nebenklage erklärte Waterkamp, nun werde auch die Verteidigung Revision einlegen. Die Staatsanwaltschaft will nach Angaben einer Sprecherin auf Revision verzichten.

Sollten die Revisionen der Nebenklage durchgeführt werden, würde der Bundesgerichtshof eine auf den Schuldspruch beschränkte Überprüfung des Urteils vornehmen, teilte Waterkamp weiter mit. “Das Verfahren fände über weitere Monate keinen Abschluss und es wäre auch keine Änderung des Urteils zu Gunsten des Angeklagten in der Revision möglich. Aus diesen Gründen habe ich für den Fall von Nebenklagerevisionen eine Revisionseinlegung der Verteidigung angekündigt.” Diese ermögliche eine umfassende Überprüfung des Urteils durch den Bundesgerichtshof.

„Sollten die Nebenklagerevisionen allerdings wieder zurückgenommen werden, würde auch die Revision der Verteidigung nicht durchgeführt und das Urteil könnte in Rechtskraft erwachsen“, erklärte Waterkamp weiter.

Die Frist für einen Antrag auf Revision läuft noch bis Donnerstag. Eine Jugendstrafkammer am Landgericht hatte den 93 Jahre alten Angeklagten in der vergangenen Woche wegen Beihilfe zum Mord in 5232 Fällen und wegen Beihilfe zu einem versuchten Mord zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Der Prozess fand nach Jugendstrafrecht statt, weil der Mann zu Beginn der Tatzeit im Jahr 1944 erst 17 Jahre alt war. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Jugendstrafe von drei Jahren Haft beantragt, die Verteidigung Freispruch gefordert.

RND/dpa