Samstag , 24. Oktober 2020
Der Angeklagte Stephan Ernst (links) neben seinem ehemaligen Anwalt Frank Hannig. Quelle: imago images/Patrick Scheiber

Vom Angeklagten beantragt: Verteidiger im Lübcke-Prozess abberufen

Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist einer der beiden Verteidiger des Hauptangeklagten Stephan Ernst abberufen worden. Die Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses zwischen Ernst und dem Anwalt Frank Hannig sei nachvollziehbar. Das entschied das Gericht.

Frankfurt/Main. Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gab das Oberlandesgericht Frankfurt am Dienstag einen entsprechenden Beschluss bekannt, dass der Anwalt des Angeklagten abberufen wird. Der mutmaßliche Mörder des Lübckes, Stephan Ernst, hatte am Montag die Entpflichtung seines Anwalts Frank Hannig beantragt. Die Bundesanwaltschaft wirft Stephan E. Mord vor, dem Mitangeklagten Markus H. Beihilfe zum Mord.

Ernst wurde in dem Verfahren bislang von zwei Verteidigern vertreten.

Anlass für den Konflikt waren mehrere nicht abgesprochene Beweisanträge, die Hannig am Montag eingebracht hatte. Darin wollte der Anwalt die Vernehmung weiterer Zeugen erreichen, die womöglich ebenfalls am Tatort waren. Auch einen Einbruch im Kasseler Regierungspräsidium, bei dem Akten verschwunden seien, wollte er untersuchen lassen. Der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel hatte daraufhin erklärt, er müsse sich angesichts der Anträge Gedanken machen, ob Ernst eine wirksame Verteidigung habe.

Im Prozess wird am Dienstag erstmals die Aussage von einem der Söhne Lübckes erwartet.

Stephan E. ist in einem weiteren Fall des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Er soll 2016 in Lohfelden bei Kassel einen Flüchtling niedergestochen haben. Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten aus Nordhessen vor, aus rechtsradikaler, fremdenfeindlicher Gesinnung gehandelt zu haben. Beide haben in der Vergangenheit an rechtsextremistischen Kundgebungen und Demonstrationen teilgenommen. Lübcke soll seit einer Bürgerversammlung im Oktober 2015 in Lohfelden zur Zielscheibe fremdenfeindlichen Hasses geworden sein. Damals warb er um die Eröffnung einer Flüchtlingsunterkunft und wehrte sich gegen störende Zwischenrufe.

RND/dpa