Montag , 26. Oktober 2020
In Portland (USA) gehen jetzt auch Mütter auf die Straße: Als "Wall of Moms" stellen sie sich zwischen Protestierende und Sicherheitskräfte. Quelle: Amy Katz/ZUMA Wire/dpa

“Wall of Moms” in Portland: Mütter mischen Proteste in den USA auf

Im US-amerikanischen Portland gehen jetzt auch Mütter gegen Polizeigewalt auf die Straße. Ganz in Gelb stellen sie sich als menschliche Barriere zwischen Demonstranten und Polizisten. Die “Mauer der Mütter” findet landesweit Nachahmer – und bekommt Unterstützung von Vätern.

Portland. Plötzlich waren sie da: Mütter. Frauen meist mittleren Alters, stets mit gelben Westen oder T-Shirts gekleidet, bilden in Portland, Oregon, Menschenketten und stellen sich zwischen Demonstranten und Sicherheitskräfte.

Seit mehr als 50 Tagen gehen in der Westküstenstadt Nacht für Nacht Demonstranten auf die Straße. Seitdem US-Präsident Donald Trump Bundestruppen nach Portland entsandt hat, kocht die Gewalt hoch. Die “Mauer der Mütter” will nun beschwichtigen.

Die Meinungen gehen auseinander. Für die einen sind die Moms das neue Symbol für friedliche Demonstrationen gegen Polizeigewalt. Für die anderen zynischer Deckmantel für gewalttätige Proteste. Wer sind die Frauen, die sich als menschlicher Schutzschild zwischen die Lager stellen? Und was wollen sie?

Es gehe den Frauen darum, ihre eigenen Kinder vor Polizeigewalt zu schützen und die Black-Lives-Matter-Bewegung zu unterstützen, erzählt Demonstrantin Joselyn Merrill im Nachrichtenmagazin “Spiegel”. Was in den USA geschehe, sei Wahnsinn, so die Mutter. Sie beteilige sich an den Protesten, um Menschenrechtsverletzungen und Polizeigewalt in ihrem Land anzuprangern.

Wütend, aber friedlich – oder?

Doch unter den Moms sind offenbar auch einige, die nichts gegen Randale haben. In einer Reportage des liberalen US-Magazins “The New Yorker” heißt es, einzelne Mütter würden laut jubeln, wenn Demonstranten Zäune vor staatlichen Gebäuden niederreißen.

Dennoch: “Wall of Moms” sei eine friedliche Gruppe, betont die Aktivistin im “Spiegel”. Die Mütter seien keine Anarchisten, und ein großer Teil der Proteste in Portland bleibe friedlich.

Die selbst gemalten Schilder, die die Mütter zu den Protesten mitbringen, sind oft mit wütenden, aber auch ironischen Sprüchen verziert: “Momma says no” (”Mama sagt nein”), “Does your mom know you’re a fascist?” (”Weiß deine Mutter, dass du ein Faschist bist?”), “Teargassing Civilians = Automatic Timeout” (”Tränengas auf Zivilisten werfen = Zimmerarrest”).

Eltern engagieren sich – Fox wittert Verschwörung

Nicht nur Mütter, sondern auch Väter stimmen in Portland mittlerweile in den Protest ein: Seit einigen Tagen tauchen die “Dads with Leaf Blowers” auf – die Väter mit Laubbläsern. Die Männer versuchen mit ihren Gartengeräten, das von Sicherheitskräften geworfene Tränengas zurückzublasen.

Eine ganz eigene Interpretation des plötzlichen Auftauchens in Gelb gekleideter Mütter bei den Protesten in Portland hat der konservative US-Fernsehsender Fox News. Nach Deutung des Senders sollen die Moms ablenken von den Gewaltexzessen der Demonstranten.

“Walls of Moms” tauchen auch an anderen Orten auf

Die Moms finden derweil Nachahmer – überall in den USA und darüber hinaus. Am Wochenende erschienen die ersten Moms bei Black-Lives-Matter-Protesten in Oakland in Kalifornien. In Jerusalem nahmen in Gelb gekleidete Frauen an den Protesten gegen Israels Premierminister Benjamin Netanjahu teil – unter dem Motto “Mom will protect you”: Mama beschützt dich.

Von Tammo Kohlwes/RND