Samstag , 19. September 2020
Versandet der Schutz vor Corona durch die Urlaubssaison? Durch heimkehrende Touristen könnte das Virus sich wieder verbreiten. Quelle: Oded Balilty/AP/dpa

Zurück zur Nervosität: Wir brauchen einen Plan B

Die wachsende Zahl von Corona-Fällen in Deutschland alarmiert die Politik. Das Problem sind vor allem die Urlauber. Die bisherigen Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung funktionieren nicht mehr, befürchtet Jörg Kallmeyer.

Heute vor einem halben Jahr gab es den ersten bestätigten Corona-Fall in Deutschland. Seit der Infektionskette beim bayerischen Automobilzulieferer Webasto Ende Januar hat Deutschland schon viele unterschiedliche Phasen im Umgang mit der Pandemie erlebt.

Zuletzt gab es eine Phase der Entspannung, geprägt von niedrigen Infektionszahlen und immer mehr Normalität im Alltag. Doch jetzt häufen sich die Anzeichen, dass das Thema Corona mit Wucht zurückkehrt. Die Politik reagiert nervös. Kein Wunder: Die Antworten auf die neue Bedrohung durch das Virus fallen schwerer, weil die alten Instrumente nicht mehr gut funktionieren.

Der wichtigste Faktor im Kampf gegen Corona war bislang die Vernunft. Die Deutschen haben sich vorbildlich an die Regeln gehalten. Urlaub und Vernunft aber passen offenbar nicht zusammen. Strandpartys von Feriengästen lassen derzeit in Spanien die Zahl der Corona-Infektionen sprunghaft ansteigen – dort also, wo sich die Menschen gerade vom Trauma der monatelangen Isolation befreien wollten.

Auch in Deutschland wird die Zahl der Fälle weiter zunehmen, wenn erst alle Urlauber zurück sind, schon allein deshalb, weil dann viel mehr getestet wird als bislang. Mit lokalen Maßnahmen wird es dann kaum getan sein, weil es eben nicht um ein regional eingrenzbares Geschehen gehen wird. Und auf die Corona-Warn-App kann man sich nicht verlassen, weil sie zu schlecht funktioniert.

Kommt also doch wieder ein großer Lockdown? Das ist kaum vorstellbar, weil die wirtschaftlichen Folgen fatal wären. Es bleibt die Hoffnung, dass es noch einmal gut geht. Doch für die Zeit nach den Sommerferien sollte es langsam einen Plan B geben.

Von Jörg Kallmeyer/RND