Montag , 21. September 2020
Wie groß ist die Armut in Europa?

Jeder Sechste in der EU ist von Armut gefährdet

86 Millionen Menschen in der Europäischen Union sind von Armut gefährdet. Das ergab eine Datenabfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann bei Eurostat. Die Linken-Politikerin sieht die EU als “sozialpolitisch gescheitert” an – und erhebt mehrere Forderungen.

Berlin. Die Armutsgefährdung in der Europäischen Union steigt. Konkret geht es um 86 Millionen Menschen in der EU, damit ist jeder Sechste von dem Problem betroffen. Das ist das Ergebnis einer Datenabfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Linke) beim Europäischen Statistikamt Eurostat, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Wer gilt als armutsgefährdet?

Insgesamt waren im Jahr 2018 – dies sind die aktuellen Daten, die bei Eurostat verfügbar sind – 17,1 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Im Vorjahr lag die entsprechende Quote noch bei 16,9 Prozent.

Menschen gelten als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung in ihrem Land zur Verfügung haben. In Deutschland lag die Armutsgefährdungsquote laut den Eurostat-Daten im Jahr 2018 bei 16 Prozent, 2006 waren es noch 12,5 Prozent. Die Zahl der armutsgefährdeten Personen in Deutschland ist in dem Zeitraum demnach von zehn auf 13 Millionen Menschen gestiegen.

“Die Europäische Union ist sozialpolitisch gescheitert”, sagte die Linken-Abgeordnete Zimmermann dem RND. “Statt Armut zu reduzieren, verschärft sich die soziale Spaltung in Europa. Dabei sind in diesen Zahlen noch nicht die dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie erfasst.”

Zimmermann setzte hinzu: “Die deutsche Ratspräsidentschaft ist nun die große Chance, entscheidende Weichen für ein soziales Europa zu stellen, gerade in Zeiten der Corona-Pandemie.”

Die Linken-Politikerin forderte einen europäischen Mindestlohn, mehr Anstrengungen im öffentlichen Beschäftigungssektor und eine europäische Arbeitsversicherung.

RND

 

 

Von Tobias Peter/RND