Sonntag , 20. September 2020
Selbstzweifel angesichts schlechter Umfragewerte? Ach was, nicht bei US-Präsident Donald Trump. Quelle: imago images/ZUMA Wire

Steigende Todeszahlen, fallende Umfragewerte? Trump strotzt vor Zuversicht

US-Präsident Donald Trump traut den für ihn schlechten Umfragewerten nicht. Er gibt sich davon überzeugt, die Wahl am 3. November zu gewinnen, und setzt dabei auf eine “schweigende Mehrheit”. Ein ganz klein wenig selbstkritisch zeigt sich der US-Präsident hinsichtlich seines Twitter-Verhaltens.

Washington. Hundert Tage vor der Wahl in den USA hat sich US-Präsident Donald Trump trotz schlechter Umfragewerte siegesgewiss gezeigt. Der Republikaner schrieb am Sonntag auf Twitter, für seinen Wahlkampf gebe es derzeit sogar noch mehr Enthusiasmus als vor der Wahl 2016.

Seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden gelinge es im Wahlkampf dagegen nicht, Begeisterung hervorzurufen. “Die schweigende Mehrheit wird am 3. November sprechen!!!” Falsche Umfragen und “Fake News” würden die “radikale Linke” nicht retten, so Trump.

Sein Wahlkampfteam argumentiert, dass schlechte Umfragewerte unter anderem darauf zurückzuführen seien, dass Republikaner bei Befragungen unterrepräsentiert seien. Das Team weist auch darauf hin, dass Trump bei den meisten Umfragen vor der Präsidentschaftswahl 2016 hinter seiner Kontrahentin Hillary Clinton lag, dann aber gewann. Nach Ansicht von Experten ist das Rennen längst nicht ausgemacht.

Auch die bisher verheerende Corona-Bilanz in den USA ficht Trumps Wahlkampfteam nicht an.

Ein ganz klein wenig selbstkritisch zeigte sich Trump hinsichtlich seiner Tweets. Demnach bedauere er manche seiner kontroversen Tweets und Retweets. Trump sagte dem Gründer der Website Barstool Sports, Dave Portnoy, in einem am Freitag veröffentlichten Interview auf eine entsprechende Frage, es geschehe “zu oft”, dass er aufwache und denke, er hätte etwas lieber nicht auf Twitter verbreiten sollen.

“Früher schrieb man einen Brief und sagte: ‘Dieser Brief ist wirklich schlecht.’ Und man legte ihn auf den Schreibtisch, ging am nächsten Tag zurück und sagte: ‘Oh, ich bin froh, dass ich das nicht abgeschickt habe.’”

Trump sagte weiter: “Aber das machen wir bei Twitter nicht.” Stattdessen veröffentliche man Dinge dort sofort. Dann fühle man sich großartig, bis die Anrufe mit der Frage kämen, ob man das wirklich gesagt habe. “Ich sage: ‘Was ist daran falsch?’, und man findet viele Dinge.” Trump fügte hinzu: “Es sind nicht die Tweets, es sind die Retweets, die einen in Schwierigkeiten bringen.”

Auf die Frage, ob er Twitter liebe, sagte der Präsident: “Es gibt Zeiten, da liebe ich es. Manchmal zu sehr.” Trump folgen auf Twitter 84 Millionen Nutzer.

Biden führt in Swing States

Der Sender CNN veröffentlichte am Sonntag eine Umfrage, wonach Trump in drei umkämpften Bundesstaaten hinter Biden liegt: Florida, Arizona und Michigan. Alle drei Bundesstaaten hatte Trump 2016 gewonnen. In landesweiten Umfragen liegt Trump seit Wochen deutlich hinter Biden. Landesweite Befragungen haben aber wegen des komplizierten Wahlsystems in den USA sehr begrenzte Aussagekraft.

Am Ende ist eine Mehrheit von 270 Wahlleuten aus den Bundesstaaten für einen Sieg ausschlaggebend, nicht die Mehrheit der Wählerstimmen. Trump war es 2016 überraschend gelungen, die drei sogenannten Swing States Pennsylvania, Michigan und Wisconsin zu gewinnen.

Swing States sind Bundesstaaten, in denen die Wählermehrheiten immer wieder wechseln. Selbst wenn er zwei davon in diesem Jahr verlöre, käme er auf ausreichend Wahlleute – vorausgesetzt, er kann alle anderen Bundesstaaten halten, in denen er sich 2016 durchsetzte.

RND/dpa