Sonntag , 20. September 2020
Der britische Verkehrsminister Grant Shapps. Quelle: imago images/Vedat Xhymshiti

Quarantäne für britische Spanien-Rückkehrer: Verkehrsminister betroffen

Weil die Zahl der Corona-Infektionen in Spanien ansteigt, verpflichtet Großbritannien alle Rückkehrer aus dem Land zur Quarantäne. Und das trifft auch den Verkehrsminister. Der weilt nämlich gerade in dem Land im Urlaub.

London. Am Samstagmorgen war der britische Verkehrsminister Grant Shapps mit seiner Familie nach Spanien in den Urlaub gereist. Nur wenige Stunden später teilte sein Ministerium mit, dass alle Reisenden, die aus dem Land zurückkehren, sich für 14 Tage in Quarantäne begeben müssen. Hintergrund sind die gestiegenen Corona-Infektionszahlen in dem Land.

Wie etwa die britische BBC berichtet, plant der Minister, seinen Urlaub wie geplant fortzusetzen und sich bei seiner Rückkehr den neuen Regeln folgend in die Isolation zu begeben. Der Sender zitiert zudem Außenminister Dominic Raab, welcher mit Shapps nach dessen Ankunft in Spanien gesprochen habe. Sein Kollege habe “erkannt, dass wir die Maßnahmen ergreifen müssen”, so Raab.

Dass der Minister selbst betroffen ist, hat bei Twitter für Spott gesorgt, wie der “Evening Standard” berichtet. So twitterte die Labour-Abgeordnete Diane Abbott, dass mehrere Minister gewusst hätten, dass die Quarantäne für Spanien-Rückkehrer kommen könnte – “aber anscheinend hat sich niemand die Mühe gemacht, Grant Shapps davon zu erzählen”.

Die Regierung müsse schnell und entschlossen handeln und in diesem Fall sei eine Vorwarnung nicht möglich gewesen, verteidigte Außenminister Raab die Entscheidung am Sonntag im Sender Sky News. Das britische Verkehrsministerium hatte Spanien mit Verweis auf die gestiegenen Corona-Zahlen in Katalonien und anderen Provinzen am Samstagabend wieder auf die Liste der unsicheren Länder gesetzt und vor Reisen dorthin abgeraten. Alle, die ab Samstag um Mitternacht zurückkämen, müssten sich in häusliche Quarantäne begeben, hieß es. Tausende Briten wurden von der Kurzfristigkeit der Anordnung überrascht.

In ganz Spanien mit seinen rund 47 Millionen Einwohnern wurden am Freitag binnen 24 Stunden mehr als 900 neue Infektionen registriert, wie das Gesundheitsministerium in Madrid mitteilte. Fast die Hälfte der Fälle wurden aus Katalonien und der Nachbarregion Aragón gemeldet.

Mit mehr als 270.000 nachgewiesenen Infektionen und über 28.400 Toten ist Spanien eines der von der Pandemie am schwersten betroffenen Länder Europas. Während die Zahlen dank drastischer Maßnahmen stark fielen, gehen sie seit dem Ende des Notstands am 21. Juni langsam wieder nach oben. Allerdings ist die jetzige Lage nicht mit dem Chaos der Monate März und April zu vergleichen.

RND/das/dpa