Freitag , 30. Oktober 2020
Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

Karliczek rechnet frühestens Mitte nächsten Jahres mit Corona-Impfstoff

Forschungsministerin Anja Karliczek will jedem Bürger eine Impfung ermöglichen. Sie rechne aber erst in Monaten mit einem verlässlichen Impfstoff. Außerdem gesteht sie Defizite beim Schulunterricht während der Pandemie ein.

Berlin. Die Bundesregierung geht davon aus, dass es im Fall der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus keine Engpässe bei der Bereitstellung in Deutschland geben wird. “Wir sind dabei, die Produktionskapazitäten in Deutschland zu erhöhen”, sagte Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) der “Bild am Sonntag”. “Wenn ein Impfstoff gefunden ist, wird jeder Deutsche, der es will, auch geimpft werden können. Das müssen wir schaffen und das werden wir schaffen.”

Nachdem sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland gegenüber betont hatte, dass ein Erfolg bei der Suche nach einem Impfstoff “längst nicht garantiert” sei, dämpfte die Ministerin erneut die Erwartungen an eine schnelle Entwicklung. “Ein zugelassener Impfstoff, der für die breite Masse der Bevölkerung geeignet ist, wird wahrscheinlich frühestens Mitte nächsten Jahres zur Verfügung stehen. Bei der Entwicklung eines Impfstoffes kann es immer Rückschläge geben”, sagte sie. Weltweit suchen Forscher unter Hochdruck nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Zuletzt hatten mehrere Forscherteams vielversprechende Zwischenergebnisse veröffentlicht.

Defizite beim Schulunterricht

Beim Thema Schulunterricht während der Pandemie räumte Karliczek Defizite ein. Beim digitalen Lernen zu Hause habe es enorme Unterschiede gegeben: “Es gab Schulen, an denen Lehrer während der Krise so gut wie gar keinen direkten Kontakt zu den Schülern hatten”, sagte die CDU-Politikerin der “Bild am Sonntag”. “Dann ist es klar, dass die Kinder Lernrückstände aufbauen.”

Karliczek räumte ein, Deutschland sei seit Langem in der Schulbildung nur gutes Mittelmaß. Und auch in den Pandemiezeiten sei Schule im Großen und Ganzen “eher mittelmäßig” gelaufen. “Wir müssen besser werden – jetzt in der Corona-Zeit und vor allem danach. Wir brauchen einen neuen Aufbruch im Schulwesen”, sagte die Ministerin.

Scharfe Kritik an der geplanten Rückkehr zum Regelunterricht nach den Sommerferien kommt von Elternvertretern. “Es ist völlig blauäugig, jetzt so zu tun, als sei Corona nach den Ferien einfach vorbei”, sagte der Vorsitzende des Bundeselternrates, Stephan Wassmuth, der “Bild am Sonntag”. Dass die Schulen jetzt wieder in den Regelbetrieb wechseln sollten, liege nur daran, dass es zu wenig Personal und zu wenige Räume gebe. “Wir brauchen endlich einen qualifizierten Fernunterricht, damit Eltern nicht wieder in die Rolle der Lehrer gedrängt werden.”

Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sieht die Schulen nicht für eine Rückkehr zum Normalbetrieb gerüstet. “Alle bisherigen Konzepte können nicht davon ablenken, dass die Schulen weder auf den Normalbetrieb noch auf den Fernunterricht gut vorbereitet sind. Hier wird der Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut”, sagte er dem Blatt.

So sei es völlig unklar, wie die Hygienekonzepte der Länder umgesetzt werden sollten. “Die Isolierung von Lerngruppen wird spätestens in der Oberstufe mit ihrem Kurssystem nicht mehr funktionieren, die Lüftungskonzepte scheitern schon allein daran, dass nicht alle Klassenräume Fenster haben, die man öffnen kann.”

RND/dpa