Dienstag , 22. September 2020
Unterstützer der Präsidentschaftskandidatin Svetlana Tikhanovskaya - ein von der Wahl ausgeschlossener Unternehmer ist nach Moskau geflohen, weil ihm eine Verhaftung droht. Quelle: imago images/ITAR-TASS

Wahlen in Belarus: Unternehmer flieht mit Kindern

Drei Frauen kämpfen in Weißrussland um einen Sieg über den amtierenden Diktator Alexander Lukaschenko. Eine von ihnen ist die Frau des bei der Wahl ausgeschlossenen Unternehmers Waleri Zepkalo. Ihr Mann ist mit den Kindern nun nach Moskau geflohen – er wurde über eine bevorstehende Festnahme gewarnt.

Moskau/Minsk. Der bei der Präsidentenwahl in Belarus (Weißrussland) ausgeschlossene Unternehmer Waleri Zepkalo hat nach eigenen Angaben aus Angst um seine Sicherheit das Land verlassen. Er sei von Kontakten in den Sicherheitsorganen über seine bevorstehende Festnahme gewarnt worden, sagte Zepkalo am Freitag dem Internetportal tut.by. Der 55-Jährige ist mit seinen Kindern nun in Moskau.

Nach einem Besuch der Staatsanwaltschaft in der Schule habe die Gefahr bestanden, dass ihm die Kinder weggenommen würden, sagte der Unternehmer. Seine Frau Veronika Zepkalo macht weiter Wahlkampf für die Abstimmung am 9. August.

Frau unterstützt Kandidatin Tichanowskaja

Die Ehefrau kämpft mit der Präsidentenkandidatin Swetlana Tichanowskaja darum, den seit 26 Jahren regierenden Staatschef Alexander Lukaschenko aus dem Amt zu drängen.

Tichanowskaja will im Fall eines Sieges alle politischen Gefangenen freilassen und Neuwahlen ansetzen. Die 37-Jährige, die nach Drohungen ebenfalls ihren Sohn und ihre Tochter ins Ausland bringen ließ, ist als einzige Oppositionelle zur Wahl zugelassen. Ihr Mann, der populäre Blogger Sergej Tichanowski, sitzt ebenfalls im Gefängnis. Auch er erhielt keine Zulassung als Kandidat.

“Letzter Diktator Europas”

Lukaschenko wird von der Opposition als „letzter Diktator Europas“ kritisiert. Er hatte bei Protesten zuletzt Hunderte Aktivisten festnehmen lassen. Die Europäische Union forderte wiederholt die Freilassung der Gefangenen und faire Wahlen. Bisher wurden Präsidentenwahlen in Belarus nicht als demokratisch anerkannt.

RND/dpa