Samstag , 19. September 2020
Vor eineinhalb Jahren scheiterte Jens Spahn noch im Rennen um den CDU-Vorsitz. Doch sein Krisenmanagement in der Pandemie lässt den Bundesgesundheitsminister jetzt nach Meinung einiger in der CDU in anderem, strahlenden Licht erscheinen. Quelle: Getty Images

Rennen um CDU-Vorsitz: Die Rufe nach Spahn werden lauter

In der CDU mehren sich Stimmen, die nach einem Parteichef Spahn rufen. Offenbar traf Wolfgang Schäuble einen Nerv, als er vor wenigen Tagen in einem gemeinsamen Interview den Bundesgesundheitsminister für Höheres empfahl. Spahn bekennt sich derweil noch zur „Teamlösung“ an der Seite von Armin Laschet.

Berlin/München. Jens Spahn ist diese Woche noch einmal schnell an den Bodensee in Baden-Württemberg gefahren. Er hat dort den nordrhein-westfälischen Ministerpräisdenten Armin Laschet an dessen Urlaubsort getroffen. “Armin Laschet und ich bewerben uns als #Team um die Führung der CDU”, hat er auf Facebook bekräftigt. Dazu hat er ein Foto gepostet, dass beide Politiker von hinten auf einem Weg zwischen Weinreben zeigt. Man habe “darüber gesprochen, was für erfolgreiche Zwanzigerjahre in Deutschland und Europa notwendig ist”. Auf dem Foto spricht Spahn.

Echter Generationswechsel

Ausgerechnet ein paar CDU-Politiker aus Baden-Württemberg haben das Idyll jetzt durchbrochen: Die Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich, Matern von Marschall und Armin Schuster plädieren dafür, dass die bisherigen Bewerber um den CDU-Vorsitz, Laschet, Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz und der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen, doch den Weg frei machen sollten für Spahn. Einen “echten Generationenwechsel”, forderte Hennrich. Von Marschall befand, Spahn könne bei der Parteichef-Frage noch wichtig werden. Der prominenteste der drei, Innenexperte Schuster, verkündete, er sehe Spahn nicht “in der von ihm selbst gewählten Zurückhaltung”.

Schäuble bescheinigt “Willen zur Macht”

Die Initialzündung für die Spahn-Unterstützung dürfte vor einer Woche Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble gegeben haben, ebenfalls Baden-Württemberger. Im gemeinsamen “Zeit”-Interview mit Spahn lobte der Grandseigneur der CDU den Gesundheitsminister ausführlich und bescheinigte ihm ausdrücklich den “Willen zur Macht”. Für seinen bisherigen Favoriten Merz hatte Schäuble nur einen Nebensatz übrig, in dem er eine von dessen Ideen als Allgemeinplatz abkanzelte – “bei aller Freundschaft”.

So steuert die CDU gerade auf den nächsten Personalkonflikt zu. Nach der letzten Parteichef-Wahl Ende 2018, die Annegret Kramp-Karrenbauer gewann, gab sich vor allem der damalige Verlierer Merz nicht geschlagen. In der Union wird befürchtet, dass auch die nächste Entscheidung, die nun für Dezember anberaumt ist, ähnliche Wunden schlagen könnte.

Spahn zu jung und unbeliebt?

Bislang sieht es nicht so aus, als ob sich Laschet, Merz und Röttgen untereinander einigen könnten. Käme da ein ganz anderer, ein vierter Kandidat nicht gerade recht?

Spahn habe im ersten Rennen um den CDU-Vorsitz die schlechtesten Werte bekommen, heißt es in Teilen der Union. Und es sei nicht sicher, ob er als Kanzlerkandidat der Union nicht doch etwas zu jung und unbeliebt sei.

Und dann ist da ja noch ein weiterer potenzieller Aspirant auf die Kanzlerkandidatur: Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder. “Wir dürfen nicht die Augen vor der Stimmung im Land verschließen, die ganz klar zugunsten von Spahn und Söder geht, weil sie in der Corona-Krise ihre Feuertaufe bestanden haben”, sagte der Bundestagsabgeordnete Hennrich.

Söder als Kanzlerkandidat und Spahn als CDU-Chef? Das wäre eine andere Art von Team als jenes, das Spahn auf Facebook beschwor.

Der Gesundheitsminister verbringt seinen Sommerurlaub übrigens am Tegernsee, in Bayern.

 

Von Daniela Vates/RND