Dienstag , 20. Oktober 2020
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern. Quelle: Peter Kneffel/dpa Pool/dpa

Söder: Wir brauchen Corona-Testpflicht an deutschen Flughäfen

Bayern will am Dienstag freiwillige Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer an Flughäfen im Freistaat beschließen. Lieber wäre CSU-Chef Markus Söder allerdings eine Testpflicht – er fordert eine bundesweit einheitliche Lösung. Ein FDP-Gesundheitsexperte warnt indes vor einer trügerischen Sicherheit nach einzelnen Tests.

München/Nürnberg. CSU-Chef Markus Söder fordert eine Corona-Testpflicht für Urlaubsrückkehrer an allen deutschen Flughäfen. “Wir brauchen (auch) dringend auf Dauer verpflichtende Tests an den Flughäfen, insbesondere aus Risikogebieten. Da glaube ich reicht die Quarantäne alleine nicht aus. Da wäre ein Test direkt am Flughafen sinnvoll”, sagte der bayerische Ministerpräsident am Freitag in Nürnberg. Söder betonte, dass es eine bundesweit einheitliche Regelung in der Frage geben müsse.

„Ich glaube, wir brauchen dafür jetzt rasche Grundlagen. Das Wichtigste ist aber, dass wir mal klären, ob es verpflichtend ist oder nicht“, sagte Söder. Er sei der Meinung, dass der Schutz der Bevölkerung an oberster Stelle stehen solle. Mit Blick auf die in einigen Bundesländern bereits endenden Sommerferien sei es wichtig, „Tempo zu machen“. Er hoffe nicht, dass es in einigen Fällen bereits zu spät sei, da hier die Menschen bereits aus den Urlaubsregionen zurückkehrten, es aber noch keine Tests gebe.

Für Bayern kündigte Söder zudem an, dass am Dienstag das Kabinett bereits die Corona-Tests auf freiwilliger Ebene für Flughäfen im Freistaat beschließen werde. Zugleich gebe es Überlegungen, auch für Rückkehrer in Autos auf den Straßen Test-Zentren zu eröffnen. Sorge würden ihm aber nicht nur rückkehrende Urlauber machen, sondern auch die anderen Heimkehrer aus europäischen Ländern und der Türkei.

FDP-Gesundheitsexperte: Einzelner Corona-Test vermittelt falsche Sicherheit

Der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann warnte zudem vor einer trügerischer Sicherheit durch Corona-Tests an Flughäfen. “Ein einziger Test ist letztlich sogar gefährlich, weil man sich dann in falscher Sicherheit wiegt und dadurch erst recht Infektionsketten entstehen können”, sagte Ullmann der “Saarbrücker Zeitung”.

Die Zeitspanne zwischen Infektion und dem Auftreten erster Symptome könne bis zu zehn Tage betragen. “Das heißt, ist das Testergebnis am zweiten Tag negativ, so kann es am Tag Acht bereits positiv sein.”

Ein einziger Test könne daher nicht die bislang vorgeschriebene 14-tägige Quarantänezeit für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten ersetzen, betonte der Bundestagsabgeordnete, der auch Facharzt für Innere Medizin ist. Dazu müsse ein Mensch anfangs „nahezu täglich“ getestet werden. „Je mehr Tests, desto größer die Sicherheit, und umso stärker könnte man auf häusliche Quarantäne verzichten“, erklärte der FDP-Politiker. „Das gilt freilich auch im umgekehrten Fall.“

Ullmann: Urlauber in Risikogebieten sollten Tests bezahlen müssen

Die Kosten für die Corona-Tests sollten nicht an den Krankenkassen und damit an den Beitragszahlern hängen bleiben, forderte Ullmann. „Wenn Urlauber in Länder fahren, von denen vorher bekannt ist, dass es sich um Risikogebiete handelt, dann liegt das Risiko bei den Urlaubern“, sagte er. „Folglich müssten sie die Tests auch bezahlen.“ Und fügte hinzu: „Zumal es bei Fluggästen zwecks Urlaubs in aller Regel nicht um Sozialfälle geht.“

Für bundesweit kostenlose Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer plädierte hingegen der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände. Der Chef des Verbandes, Klaus Müller, lobte Bayerns Entscheidung, Urlaubsrückkehrern kostenlose Tests anzubieten. “Ich fordere die 15 anderen Bundesländer auf, es Bayern gleichzutun”, sagte Müller der Düsseldorfer “Rheinischen Post”. “Für flächendeckende Tests ist genug Geld da. Auch die Testkapazitäten sind vorhanden.”

RND/dpa