Freitag , 30. Oktober 2020
Ein Mann schwenkt eine türkische Nationalflagge vor der Hagia Sophia, die im sechsten Jahrhundert nach Christus als Kirche erbaut worden ist. Nach der aktuellen Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee findet am Freitag erstmals ein muslimisches Freitagsgebet in ihr statt. Quelle: Omer Kuscu/AP/dpa

Andrang in Hagia Sophia: Hunderte Muslime strömen zu Freitagsgebet

Erstmals seit der Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee findet dort das muslimische Freitagsgebet statt. Hunderte Anhänger des Islam sind gekommen, darunter auch der türkische Präsident Erdogan. Indes begehen orthodoxe Kirchen in Griechenland und den USA den Freitag als „Tag der Trauer“.

Istanbul. Hunderte von Muslimen sind am Freitag zur Hagia Sophia geströmt, um an den ersten Gebeten in dem bislang als Museum genutzten Gebäude seit 86 Jahren teilzunehmen. Anlässlich der offiziellen Wiedereröffnung der Hagia Sophia als Moschee ist auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zum Gebet in dem ehemaligen Museum eingetroffen. Fernsehbilder zeigten am Freitag, wie Erdogan und weitere hochrangige Politiker in der Moschee im Voraus des ersten muslimischen Freitagsgebetes seit der Umwandlung eintrafen.

Journalisten berichteten am Vormittag von riesigen Menschentrauben, die dicht an dicht stehen würden. Der Istanbuler Gouverneur schrieb am Vormittag auf Twitter, es würden keine Menschen mehr in die für das Gebet vorgesehenen Bereiche gelassen.

Erdogan bezeichnete die Nutzung der Hagia Sophia als Moschee, die einst eine der wichtigsten christlichen Kathedralen war, als wahr gewordenen “Traum unserer Jugend”. Vor dem Monument wollten Tausende Männer und Frauen in abgetrennten Bereichen beten; sie waren aus allen Teilen der Türkei angereist.

Nach Angaben der Behörden sollten bis zu 17.000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Erdogan hatte das Bauwerk aus dem 6. Jahrhundert im Zentrum Istanbuls nach einer Gerichtsentscheidung vor zwei Wochen per Erlass wieder zur Moschee erklärt.

“Tag der Trauer” bei orthodoxen Kirchen

Orthodoxe Kirchen in Griechenland und den USA wollten den Freitag als “Tag der Trauer” begehen. Die Hagia Sophia galt als größte und bedeutendste Kathedrale der Christenheit, ehe sie nach der Eroberung Konstantinopels (heute Istanbul) durch die Osmanen im Jahr 1453 unter Sultan Mehmet II. zur Moschee wurde.

Der türkische Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk, der eine säkular orientierte Türkei erschaffen wollte, betrieb die Umwandlung der Moschee in ein Museum im Jahr 1934. Es wurde ein Jahr später eröffnet. Die Hagia Sophia war 86 Jahre lang ein Museum bis zur Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichts am 10. Juli. Christen, westliche Staaten und Kulturinstitutionen kritisierten die Umwandlung scharf.

RND/AP

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