Mittwoch , 23. September 2020
Ein Flugzeug der iranischen Fluggesellschaft Mahan Air am Flughafen Teheran-Mehrabad. Eine solche iranische Passagiermaschine soll nach iranischen Angaben im syrischen Luftraum von zwei israelischen Kampfflugzeugen bedroht worden sein. (Archivbild) Quelle: Abedin Taherkenareh/EPA/dpa

Iranisches Passagier-Flugzeug soll von Kampfjets bedroht worden sein

In syrischen Luftraum soll es einen Zwischenfall gegeben haben. Ein iranisches Passagierflugzeug ist angeblich von Kampfjetpiloten bedrängt worden. Iranische und syrische Staatsmedien machen allerdings unterschiedliche Akteure verantwortlich.

Teheran. Ein iranisches Passagierflugzeug soll Staatsmedien zufolge auf dem Weg von Teheran nach Beirut von israelischen Kampfjets bedroht worden sein. Die Maschine habe am Donnerstagabend dennoch sicher in der Hauptstadt des Libanons landen können, berichtete das iranische Staatsfernsehen. Ein libanesischer Flughafenvertreter bestätigte die Landung ohne Zwischenfälle.

Über das Geschehen in der Luft gab es allerdings widersprüchliche Berichte. Syrische Staatsmedien zitierten nicht näher genannte Beamte der Zivilluftfahrt in der Hauptstadt Damaskus mit den Worten, dass zwei Jets mutmaßlich der US-geführten Koalition eine iranische Passagiermaschine über Al-Tanf im Südwesten des Landes „abgefangen“ hätten. Dieses Manöver habe den Piloten gezwungen, abrupt die Flughöhe zu ändern und niedrig zu fliegen, wodurch einige Passagiere leicht verletzt worden seien.

Das US-Militär bestätigte zwar die Aktion, betonte jedoch, dass sie “im Einklang mit internationalen Standards” erfolgt sei. Die amerikanische F-15 habe den Passagierflieger “aus einer sicheren Entfernung von rund 1000 Metern” einer üblichen optischen Identifizierung unterzogen. Nachdem das Flugzeug als Passagiermaschine identifiziert wurde, entfernte sich die F-15 dann auch mit gebührendem Abstand von dem Mahan Air Flieger.

Iranisches Staatsfernsehen spricht von drei verletzten Passagieren

Laut dem iranischen TV-Bericht befand sich der Flug 1152 von Mahan Airline im syrischen Luftraum, als sich zwei israelische Kampfjets auf bis zu 100 Meter genähert hätten. Der Pilot der Maschine habe schnell eine niedrigere Flughöhe eingenommen, um eine Kollision mit den Jets zu vermeiden.

Bald darauf sei die Landung erfolgt, doch seien drei Passagiere an Bord mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Das iranische Staatsfernsehen bezog sich dabei auf informierte, aber nicht näher genannte Kreise am Beiruter Flughafen. Demnach wurden auch einige Crewmitglieder verletzt.

Offenbar Beschwerde an Schweizer Botschaft und UN

Das iranische Staatsfernsehen berichtete später, der Pilot des iranischen Flugzeugs habe gesagt, dass die Piloten der Kampfjets sich per Funk als US-Amerikaner ausgegeben hätten. Deshalb sei eine Beschwerde an die Schweizer Botschaft geschickt worden, welche die Interessen der USA im Iran vertritt, wie das iranische Außenministerium mitteilte.

Darin hieß es demnach, sollte auf dem Rückflug der Maschine nach Teheran irgendeine Art von Unfall geschehen, seien die USA dafür verantwortlich. Die gleiche Beschwerde habe der Botschafter des Irans vor den Vereinten Nationen, Madschid Tacht-e Rawanchi, an UN-Generalsekretär António Guterres geschickt. Einem Sprecher des Außenministeriums zufolge, Abbas Musawi, untersucht der Iran den Zwischenfall.

Wegen angeblicher “Belästigung” der iranischen Passagiermaschine durch amerikanische Kampfjets erwägt der Iran nun, gegen die USA rechtliche Schritte einzuleiten. “Belästigung einer Passagiermaschine in einem neutralen Luftraum (Syrien) ist ein klarer internationaler Verstoß gegen die Sicherheit des zivilen Luftverkehrs”, sagte Vizepräsidentin Laja Dschonejdi am Freitag laut Nachrichtenagentur Isna.

Daher könnte der Iran rechtliche Schritte unternehmen und den Fall bei der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation sowie dem Internationalen Gerichtshof melden. Das iranische Außenministerium will die Details des Vorfalls noch untersuchen und dann eine Erklärung abgeben.

US-Soldaten, die gegen den sogenannten Islamischen Staat kämpfen, sind seit 2016 in der Gegend von Al-Tanf präsent. Die USA haben sie als sogenannte Nicht-Konflikt-Zone deklariert. Syrische Kräfte und deren iranische Verbündete sind in der Gegend auch aktiv.

Zwischen der USA und dem Iran gibt es seit Jahrzehnten Spannungen. Unter der Präsidentschaft von Donald Trump hat sich der Konflikt beider Staaten verschärft.

RND/AP