Alexandria Ocasio-Cortez spricht neben der Nydia Velázquez im Plenum im Capitol Hill. Quelle: Uncredited/House Television/AP/d

Rede im Kongress: Ocasio-Cortez kontert sexistische Beleidigung

Der republikanische Abgeordnete Ted Yoho soll die Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez vor dem US-Kapitol massiv beleidigt haben. Dabei sollen auch die Worte "verdammte Schlampe" gefallen sein. Die Abgeordnete setzte sich in einer Rede zur Wehr - und bekam Unterstützung von weiteren Demokratinnen.

Washington. Eine mutmaßliche sexistische Schimpftirade eines Republikaners über die prominente US-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez hat im Kongress zu einem besonderen Moment der Abrechnung geführt: Etliche Demokratinnen beklagten am Donnerstag (Ortszeit) eine sexistische Kultur der Duldung von “Gewalt und gewalttätiger Sprache gegenüber Frauen”, an der auch Präsident Donald Trump beteiligt sei.

Was ihr widerfahren sei, sei kein Einzelfall, erklärte Ocasio-Cortez im Plenum. “Es ist kulturell.” Es gebe eine allgemeine Machtstruktur.

Am Montag wurde ein Reporter der Zeitung "The Hill" nach eigenen Angaben Zeuge, wie der republikanische Abgeordnete Ted Yoho seiner demokratischen Kollegin Ocasio-Cortez vor dem Kapitol eine Standpauke hielt. Es ging um ihre Aussagen, wonach die zunehmende Kriminalität in der Coronavirus-Pandemie sich auf die steigende Arbeitslosigkeit und Armut zurückführen lasse.

Abgeordneter soll Ocasio-Cortez “verdammte Schlampe” genannt haben

Ocasio-Cortez beschrieb die Konfrontation mit Yoho am Donnerstag im Repräsentantenhaus. Er habe ihr seinen Finger ins Gesicht gehalten und sie widerlich, verrückt und gefährlich genannt. Vor Reportern habe er sie dann eine "verdammte Schlampe" ("fucking bitch") genannt, zitierte die Abgeordnete aus einer Schilderung von "The Hill". Sie selbst sei schon nicht mehr da gewesen, als das Schimpfwort gefallen sei.

Yoho gab sich später zerknirscht und verwies unter anderem darauf, dass er eine Frau und Töchter habe. Ocasio-Cortez entgegnete, dass diese Worte genau das Problem seien. "Eine Tochter zu haben, macht einen Mann nicht anständig. Eine Frau zu haben, macht einen Mann nicht anständig. Menschen mit Würde und Respekt zu behandeln, macht einen Mann anständig", sagte sie.

Ein anständiger Mann entschuldige sich “nicht, um sein Gesicht zu wahren” oder eine Wahl zu gewinnen. “Er entschuldigt sich wahrhaftig, um den Schaden, den er angerichtet hat, zu reparieren und anzuerkennen, sodass wir alle weitergehen können.”

Sie sei "dankbar", dass ihr Vater nicht mehr am Leben sei, um Yohos Umgang mit ihr zu erleben. Doch habe ihre Mutter das mitbekommen. "Und ich bin hier, weil ich meinen Eltern zeigen muss, dass ich ihre Tochter bin, und dass sie mich nicht erzogen haben, Beleidigungen von Männern hinzunehmen."

Mehr als zwölf Demokratinnen berichteten ebenfalls von Sexismus

Männer belästigten Tag für Tag Frauen und hätten dabei ein Gefühl, straflos damit durchkommen zu können, ergänzte Ocasio-Cortez. Dazu gehörten "Personen, die das höchste Amt in diesem Land innehaben und zugeben, Frauen wehzutun". Damit meinte sie offenbar die im Wahlkampf 2016 aufgetauchte Videoaufnahme aus dem Jahr 2005, in der sich Trump damit brüstet, sich nach Belieben Frauen sexuell gefügig machen zu können.

Mehr als zwölf Demokratinnen standen ebenfalls auf und berichteten, dass sexistisches Gehabe von Männern allzu gewöhnlich sei. "Ich persönlich habe ein ganzes Leben lang Beleidigungen, Rassismus und Sexismus erlebt", sagte die Abgeordnete Barbara Lee. "Und glauben Sie mir, das hörte nicht auf, als ich in ein öffentliches Amt gewählt wurde."

Auch die Frontfrau der Demokraten, Nancy Pelosi, schaltete sich auf einer Pressekonferenz ein. Sexismus sei eine Haltung, die sich in der Gesellschaft verfestigt habe. "Ich kann Ihnen aus erster Hand sagen, dass sie mich seit mindestens 20 Jahren meiner Führungsrolle beschimpft haben", sagte Pelosi über die Republikaner. In einer Debatte über Reproduktionsmedizin hätten deren Abgeordnete etwa über sie als fünffache Mutter gesagt: "Im Plenum des Repräsentantenhauses meint Nancy Pelosi, dass sie mehr darüber weiß, Babys zu bekommen, als der Papst."

Sprecher: Abgeordneter hat “niemanden belästigt, gemobbt oder attackiert”

Zum Thema Sexismus äußerte sich von republikanischer Seite niemand. Ein Sprecher Yohos entgegnete per E-Mail, dass der kritisierte Abgeordnete "niemanden belästigt, gemobbt oder attackiert" habe. Es habe sich nur um eine kurze politische Diskussion mit Ocasio-Cortez gehandelt.

Sie habe nicht das Recht, Dinge aufzublähen, über seine Familie zu sprechen oder eine Darstellung abzugeben, die sich so nicht zugetragen hat, um politisch daraus Profit zu schlagen. “Der Fakt bleibt, dass ich mich nicht für etwas entschuldigen werde, das ich nicht gesagt habe”, ließ Yoho mitteilen.

Im Repräsentantenhaus stehen 88 weibliche Abgeordnete der Demokraten 13 Frauen bei den Republikanern gegenüber. "Wir gehen nicht weg", erklärte die Demokratin Pramila Jayapal aus Washington. "Frauen im ganzen Land werden noch mehr Macht in ihren Händen halten."

RND/AP